Can Dündar droht lange Haft

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Türkei/Deutschland Sollte Can Dündar jemals erwogen haben, in die Türkei zurückzukehren, wird er solche Überlegungen jetzt wohl zurückstellen. Dem regierungskritischen Journalisten, der im deutschen Exil lebt, drohen in seiner Heimat bis zu 15 Jahre Gefängnis. Fast 5 Monate hat die Istanbuler Staatsanwaltschaft gegen Dündar und weitere Journalisten sowie Verlagsmanager der oppositionsnahen Zeitung «Cumhuriyet» ermittelt. Seit Dienstag liegt die Anklageschrift gegen die 19 Beschuldigten vor. Türkische Medien zitierten gestern aus der 274 Seiten umfassenden Anklage. Dündar wird als der Hauptangeklagte genannt.

Der frühere «Cumhuriyet»-Chefredaktor wurde auf persönliches Betreiben von Staatschef Recep Tayyip Erdogan 2015 wegen Spionage und Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung angeklagt, nachdem er Dokumente über angebliche Waffenlieferungen des türkischen Geheimdienstes an islamistische Milizen in Syrien publiziert hatte. Nachdem das türkische Verfassungsgericht Dündars Untersuchungshaft aufgehoben hatte, reiste der Journalist 2016 nach Deutschland aus. Wann der Prozess beginnt, ist ungewiss. Von den 19 Angeklagten sitzen 12 in Untersuchungshaft. (gha)