Burundi steht vor Bürgerkrieg

Heute beginnt in Äthiopiens Hauptstadt Addis Abeba ein Gipfel der Afrikanischen Union (AU). Auf der Tagesordnung steht die Entsendung einer AU-Truppe nach Burundi. Doch bewaffnete Gegner des Regimes sind bereits organisiert.

Walter Brehm
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Burundische Oppositionelle machen klar, dass sie keinen ethnischen Konflikt austragen wollen. (Bild: ap)

Burundische Oppositionelle machen klar, dass sie keinen ethnischen Konflikt austragen wollen. (Bild: ap)

Selber will Alexis Sinduhije den Rebellen nicht angehören. Der Burundier ist aus seiner Heimat geflohen und lebt im Exil. Dennoch sagt er: «Wir befinden uns bereits im Bürgerkrieg.» Der ehemalige Journalist gilt als einer der Führer der burundischen Oppositionspartei «Bewegung für Solidarität (MSD).

130 Gewaltopfer jeden Monat

Seiner Schätzung nach fallen in dem ostafrikanischen Kleinstaat Burundi derzeit pro Monat etwa 130 Menschen politischer Gewalt zum Opfer. Seit der verfassungswidrigen Wiederwahl von Präsident Pierre Nkurunziza für eine dritte Amtszeit vor acht Monaten wird die Rebellenbewegung im Land immer grösser, sagt Sinduhije. «Nkurunziza wird diese Bewegung nicht mehr vernichten können. Doch am AU-Gipfeltreffen, das heute beginnt, soll versucht werden, die Gewalt in Burundi mit einer afrikanischen Friedenstruppe doch noch zu stoppen. Die Chancen, einen Bürgerkrieg noch zu verhindern, stehen aber schlecht. Die Regierung Nkurunziza in Bujumbura hat bereits erklärt, sie werde eine allfällige AU-Truppe als «Invasions- und Besatzungsmacht» verstehen.

Die Hoffnungen der Afrikanischen Union fussen auf der Annahme, dass es in Burundi noch keine einheitliche bewaffnete Opposition, sondern erst mehrere noch einzeln agierende Gruppen gebe.

Diverse bewaffnete Gruppen

Die meisten dieser Gruppen sind alle nach dem gescheiterten Putsch gegen Nkurunziza im Mai vergangenen Jahres entstanden. Dessen Anführer Godefroid Niyombare, langjähriger Armee- und Geheimdienstchef des Landes, wird heute von der Regierung als Rebellenchef angesehen. Niyombare selber hat sich bisher nicht als solcher bezeichnet. Dennoch wird er als Koordinator einer Gruppe namens «Republikanische Kräfte Burundis» (Forebu) genannt. Deren Stabschef soll Oberst Jules Ddihokubwayo sein, der früher das burundische Kontingent der AU-Truppen in Somalia befehligte. Die ganze Forebu soll sich vor allem aus burundischen Offizieren aus diesem Einsatz zusammensetzen. Ihre Kämpfer – die Zahl ist nicht bekannt – sollen in der benachbarten Demokratischen Republik Kongo und im Umland der burundischen Hauptstadt Bujumbura bereit stehen.

Eine andere Gruppe heisst «Widerstand für den Rechtsstaat in Burundi» (RED-Tabara) und soll Hutu- und Tutsi-Jugendliche aus Alexis Sinduhijes Partei MSD und anderen bisher zivilen Organisation vereinen.

Im Nordwesten Burundis soll zudem im Kibira-Wald eine «Union der Revolutionären Patriotischen Kräfte» (UFPR) aktiv sein.

Hilfe Ruandas wird bestritten

Alle diese Gruppen seien aber im Begriff sich zu vereinen, sagt Innocent Muhozi, der ehemalige Chef des von der Regierung geschlossenen Fernsehsenders «Renaissance».

Vorwürfe der burundischen Regierung, wonach diese Rebellengruppen aus dem Nachbarland Ruanda und von dessen Tutsi-Präsidenten Paul Kagame unterstützt werden, um den Hutu-Politiker Nkurunziza zu stürzen, weisen die burundischen Oppositionellen zurück. Sinduhije sagt dazu: «Wenn Ruanda wirklich hinter den Rebellen stünde, wäre das Problem Nkurunziza längst gelöst.»

Plan gegen ganze Opposition

Die Rebellen sind auch sehr zurückhaltend gegenüber den von UNO-Funktionären geäusserten Sorgen, Burundi bewege sich in Richtung eines erneuten Völkermordes. In Burundi stünde nicht eine neue Welle ethnischer Gewalt zwischen Hutu und Tutsi bevor. Der Hutu-Präsident wolle alle seine Gegner beseitigen, egal welcher Ethnie sie angehörten. «Es gibt keinen Völkermordplan gegen die Tutsi. Es gibt aber einen Plan zur Auslöschung aller Oppositioneller», sagt Alexis Sinduhije.

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