Burma: Vor allem in den Städten wenige an der Urne

Erstmals seit 20 Jahren haben die Menschen in Burma wählen dürfen. Viele der 28 Millionen Wahlberechtigten blieben den Urnen fern.

Willi Germund
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rangun. Die Wählerliste mit seinem Namen hing an der Tür eines jungen Mannes in der Stadt Heho – verteilt vom Vorsitzenden des Stadtteilkomittees. Was in anderen Ländern als Hilfestellung aufgenommen werden mag, kam als handfeste Ermahnung an: «Ich bin wählen gegangen, ich will später keine Probleme haben», so der junge Mann. Burma wählte gestern zum ersten Mal seit 20 Jahren. Für die Generäle, die das Land seit 1962 im eisernen Griff halten, bedeutet der 7. November deshalb eine Zäsur.

Das Militär wird nie wieder die Macht ergreifen, verkündete ein Regimevertreter kurz vor dem Urnengang.

Bürger reagieren mit Vorsicht

Bei vielen der 28 Millionen Wahlberechtigten verursachte der Übergang zur «disziplinierten Demokratie», wie die zukünftige Staatsform heisst, unübersehbare Sorgen. Kaffeehäuser, sonst bis zum Bersten gefüllt, blieben am Wahltag leer.

Und während auf dem Land gewählt wurde, um Konsequenzen zu vermeiden, gingen die Wähler in den Städten nur zögernd zum Stimmlokal. In den Tagen zuvor hatten sich Vertreter der elf Gruppierungen, die unter den 37 Parteien als demokratisch eingestuft werden, über Einschüchterungen durch die USDP beschwert, die von den Militärs gestützt und mit grosser Wahrscheinlichkeit als Siegerin aus dem Urnengang hervorgehen wird.

Allerdings werden der National Democratic Front (NDF), die unter dem Symbol des Bambushuts antrat, gute Chancen eingeräumt, in den Grossstädten einen Achtungserfolg zu erzielen.

Lieber nicht gewinnen

Im Jahr 1990 war die National League for Democracy (NLD)unter Führung von Friedensnobelpreisträgerin Aung San Suu Kyi mit diesem Symbol angetreten und hatte alle anderen Parteien weggefegt. Diesmal nahm die NLD nicht teil, weil das Regime zahlreiche Restriktionen verkündet hatte.

Die NDF spaltete sich darauf von Aung San Suu Kyis Gruppierung ab.

«Die Opposition hat gar nicht versucht zu gewinnen», sagt ein Kenner des Wahlgangs, «das Risiko, dass die Militärs sonst wieder einen Rückzieher machen würden, war zu gross.» Ob die burmesischen Militärs mit dem Ergebnis der Wahl zufrieden sind, wird sich schon am Samstag herausstellen.

Dann läuft der Hausarrest von Aung San Suu Kyi ab, und sie müsste dann erstmals seit Jahren auf freien Fuss gesetzt werden.

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