«Bunga-Bunga» hat nun Folgen

Neues Ungemach für Silvio Berlusconi: Mailänder Staatsanwälte ermitteln im «Fall Ruby» wegen Amtsmissbrauchs und bezahltem Sex mit Minderjährigen.

Dominik Straub
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Ruby Rubacuori (Bild: ap)

Ruby Rubacuori (Bild: ap)

Rom. Die dem 74jährigen italienischen Regierungschef vorgeworfenen Straftatbestände werden immer zahlreicher und peinlicher. In drei bereits laufenden Prozessen muss er sich wegen Steuerbetrugs, Zeugenbestechung und ungerechtfertigter Bereicherung verantworten. Nun gesellen sich mit dem gestern bekannt gewordenen neuen Ermittlungsverfahren die Vorwürfe Amtsmissbrauch und Bezahl-Sex mit Minderjährigen hinzu. Dies nur einen Tag, nachdem das Verfassungsgericht einen für Berlusconi massgeschneiderten juristischen Schutzschild in zentralen Punkten für ungültig erklärt hat.

Nicht die Wahrheit gesagt

Hintergrund der neuen Ermittlungen ist die Affäre um Karima Ruby el Mahroug, Künstlername Ruby Rubacuori (Ruby Herzensdiebin). Die damals 17jährige Gelegenheitsprostituierte marokkanischer Herkunft war Ende Mai 2010 von der Mailänder Polizei aufgegriffen worden. Nach zwei Anrufen Berlusconis im Polizeipräsidium, in denen er den Beamten weismachen wollte, bei Ruby handle es sich um eine Nichte des ägyptischen Präsidenten Mubarak, wurde sie freigelassen und der Obhut von Berlusconis Freundin Nicole Minetti übergeben.

Ruby hatte zu Protokoll gegeben, im Frühling 2010 dreimal an Festen in Berlusconis Mailänder Villa Arcore teilgenommen zu haben. An zwei dieser Parties habe Berlusconi nach dem Abendessen ein «Bunga-Bunga» veranstaltet. Er habe ihr erklärt, er habe den Brauch von Freund Gadhafi abgeschaut und es handle sich um ein Harems-Ritual. Ausser ihr seien an den Parties jeweils auch mehrere Callgirls, TV-Sternchen und einmal sogar zwei Ministerinnen dabei gewesen. Ruby berichtete, für ihre Besuche jeweils 5000 Euro von Berlusconi erhalten zu haben.

Obwohl Ruby angab, mit Berlusconi keinen Sex gehabt zu haben, ermitteln die Staatsanwälte wegen bezahltem Sex mit Minderjährigen in der Zeit von Februar bis Mai 2010. Das Mädchen habe nicht die Wahrheit gesagt, als sie erklärte, sie sei nur dreimal in Arcore gewesen, schreiben die Staatsanwälte in ihrer gestern veröffentlichten Mitteilung. Die Auswertung der Handy-Kontakte habe ergeben, dass sie an deutlich mehr Wochenenden bei Berlusconi zu Gast gewesen sei.

Ermittlungen seit Dezember

Der politisch und juristisch schwerwiegendere neue Vorwurf betrifft aber den Amtsmissbrauch, der in Italien mit vier bis zwölf Jahren Gefängnis bestraft wird. Mit seinen Anrufen im Polizeipräsidium habe Berlusconi beabsichtigt, ein Verfahren wegen Bezahl-Sex mit einer Minderjährigen zu verhindern und sicherzustellen, dass das Mädchen nichts über die Parties ausplaudere, schreiben die Staatsanwälte. Berlusconi hat seine Intervention bei der Polizei nie bestritten.

Die Ermittlungen gegen Berlusconi wurden am 21. Dezember aufgenommen. Im Hinblick auf das Verfassungsgerichtsurteil vom Donnerstag hat die Mailänder Staatsanwaltschaft jedoch mit der Bekanntgabe bis gestern zugewartet. In Mailand wurden gestern Hausdurchsuchungen gemacht, unter anderem bei Nicole Minetti und bei einem langjährigen Vertrauten Berlusconis. Der Premier selber erhielt eine Vorladung der Staatsanwaltschaft. Nach der Teilannullierung des Schutzschild-Gesetzes kann er nun nicht mehr erklären, er sei als Premier automatisch verhindert, der Vorladung Folge zu leisten.