Bündnis der schiitischen Parteien Iraks

Limassol. Zwei Monate nach den Parlamentswahlen zeichnet sich in Irak eine Regierungsbildung ab.

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Limassol. Zwei Monate nach den Parlamentswahlen zeichnet sich in Irak eine Regierungsbildung ab. Nach Angaben ihrer Sprecher haben sich die schiitischen Parteien – die Rechtsstaatsallianz des amtierenden Premiers Nuri al-Maliki und die Nationalallianz (INA) – auf eine Koalition verständigt. Sollte diese in den kommenden Wochen tatsächlich realisiert werden, hätte das Bündnis 159 Abgeordnete; für eine regierungsfähige Mehrheit sind 163 Mandatsträger erforderlich. Doch Maliki hofft auf inzwischen angeordnete Nachzählungen der Stimmen.

Noch ist allerdings nicht geklärt, wer der künftige Premier sein soll. Es ist unwahrscheinlich, dass Maliki seinen Posten behält. Als Kompromisskandidat ist Ex-Premier Ibrahim al-Jaafari im Gespräch. Der konservative Politiker gewann eine parteiinterne Abstimmung des Sadr-Blocks, der in der irakischen Nationalallianz den Ton angibt.

Westliche Beobachter werten die neue Schiiten-Koalition als «Schlag ins Gesicht von Iyad Allawi». Dessen überkonfessioneller Block «Al-Irakiya» hatte in den Wahlen die meisten Stimmen bekommen.

Er wird von Saudi-Arabien, Jordanien und den USA unterstützt und war zu Koalitionsgesprächen mit allen Parteien bereit. Sollte nun die Schiiten-Koalition die Macht übernehmen, könnten wieder «sektiererische Konflikte» aufflammen, sagte der sunnitische «Irakiya»-Abgeordnete Hamid al-Mutlaq. Er erinnerte an die bürgerkriegsähnlichen Unruhen nach den Wahlen vor fünf Jahren. (M.Wr.)