BRÜSSEL/PARIS/HAMBURG: Nach Anschlägen von Brüssel: Festnahmen in mehreren Ländern

Die Verflechtungen zwischen den islamistischen Milieus in Belgien und Frankreich werden immer deutlicher sichtbar. In Brüssel wurden am Freitag im Zusammenhang mit neuen Anschlagsplänen in Frankreich drei Verdächtige festgenommen. Wegen der offenbar konkreten Anschlagsvorbereitungen war zuvor nahe Paris ein in Belgien verurteilter Islamist festgenommen worden.

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Ein Polizist vor dem Bahnhof Salzburg: Die Sicherheitsmassnahmen in Europa wurden nach den Terroranschlägen in Brüssel verstärkt. (Bild: BARBARA GINDL (APA))

Ein Polizist vor dem Bahnhof Salzburg: Die Sicherheitsmassnahmen in Europa wurden nach den Terroranschlägen in Brüssel verstärkt. (Bild: BARBARA GINDL (APA))

Die belgische Staatsanwaltschaft bestätigte zudem, dass der wegen der Pariser Anschläge vom November gesuchte Najim Laachraoui einer der Brüsseler Selbstmordattentäter war.

In einer Wohnung in Argenteuil bei Paris wurde am Donnerstag der 34-jährige Reda Kriket festgenommen, der Verbindungen zum mutmasslichen Drahtzieher der Pariser Anschläge, Abdelhamid Abaaoud, gehabt haben soll.

Attentat in letzter Minute vereitelt
Laut dem französischen Innenminister Bernard Cazeneuve wurde damit ein «im fortgeschrittenen Stadium geplantes Attentat in Frankreich vereitelt». Abaaoud war wenige Tage nach den Pariser Anschlägen bei einem Polizeieinsatz getötet worden.

Bei der Durchsuchung der Wohnung in Argenteuil fanden die Ermittler mehrere Schnellfeuergewehre sowie Sprengstoff, unter anderem TATP, das bei den Anschlägen von Paris und vermutlich auch von Brüssel verwendet wurde.

Im Zusammenhang mit der Festnahme Krikets gab es am Freitag neue Anti-Terror-Einsätze in Brüssel. Nach Angaben der Staatsanwaltschaft wurde bei Wohnungsdurchsuchungen in den drei Stadtteilen Forest, Schaerbeek und Saint-Gilles jeweils ein Verdächtiger festgenommen.

Ins Bein geschossen und festgenommen
Der Festgenommene in Schaerbeek wurde verletzt: In einer dramatischen Aktion an einer Strassenbahnhaltestelle schossen Beamte ihm ins Bein. In dem Stadtteil, von dem aus die Brüsseler Attentäter am Dienstagmorgen gestartet waren, war in dieser Woche eine Bombenwerkstatt entdeckt worden.
Im Zuge der Ermittlungen zu den Brüsseler Anschlägen wurden in der belgischen Hauptstadt am Donnerstagabend sechs Verdächtige festgenommen.

Zwei Männer, die auf Bildern von Überwachungskameras neben den drei Selbstmordattentätern vom Dienstag zu sehen waren, waren am Freitag weiterhin flüchtig. Zwei der Attentäter − Ibrahim El Bakraoui und Najim Laachraoui − hatten sich am Brüsseler Flughafen in die Luft gesprengt, Ibrahims Bruder Khalid El Bakraoui in einer U-Bahn-Station im Brüsseler Europaviertel. Insgesamt wurden 31 Menschen getötet und rund 300 weitere verletzt.

Laachraoui war bereits im Zusammenhang mit den Pariser Anschlägen gesucht worden, bei denen am 13. November 130 Menschen getötet wurden. Der belgischen Staatsanwaltschaft zufolge wurde seine DNA auf Sprengsätzen gefunden, die bei den Pariser Anschlägen verwendet wurden, sowie auf einem in der Pariser Konzerthalle Bataclan gefundenen Stofffetzen.

Der französische Präsident François Hollande sagte, das Netzwerk der Attentäter von Paris und Brüssel sei «dabei, vernichtet zu werden». Aber es gebe «andere Netzwerke», die eine «Bedrohung» darstellten.

US-Aussenminister Kerry in Brüssel
US-Aussenminister John Kerry zeigte sich bei einem Besuch in Brüssel am Freitag solidarisch: «Je suis Bruxellois» und «Ik ben Brussel», sagte Kerry in den Landessprachen Französisch und Flämisch.
Mindestens zwei US-Bürger − ein Bruder und eine Schwester aus New York − wurden bei den Anschlägen getötet. Unter den aus insgesamt neun Nationen stammenden Todesopfern ist auch eine Frau aus dem deutschen Aachen, wie die Aachener Polizei bestätigte.

Festnahmen auch in Deutschland
In Deutschland wurden Medienberichten zufolge nach den Brüsseler Anschlägen zwei Verdächtige festgenommen, die Verbindungen zu den Attentätern gehabt haben sollen. Die Festnahmen fanden im Raum Düsseldorf und im Raum Giessen statt.

Der am 18. März in Brüssel festgenommene Paris-Attentäter Salah Abdeslam will seit den Anschlägen vom Dienstag nicht mehr mit den Ermittlern reden, wie der belgische Justizminister Koen Geens vor Parlamentariern sagte. Frankreich fordert Abdeslams Auslieferung, dieser stemmt sich inzwischen nicht mehr dagegen. (sda)