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Kommentar

Drohende Eskalation im Mittleren Osten: USA dürfen den Iran wirtschaftlich nicht an die Wand drücken

Noch ist unklar, ob Iran wirklich für die Tankerangriffe im Golf von Oman verantwortlich ist. Unabhängig davon ist es essenziell, dass die Welt dem Land Brücken baut. Sonst drohen die Dinge im Mittleren Osten ausser Kontrolle zu geraten.
Michael Wrase, Limassol
Michael Wrase

Michael Wrase

«Millennium Challenge 2002» war das bis dahin grösste Militärmanöver der amerikanischen Streitkräfte. Es endete mit einem Desaster: Innerhalb von 24 Stunden war es der von Generalleutnant Paul Van Riper geführten Gegenpartei gelungen, mit einer Serie von Kamikazeangriffen 16 amerikanische Kriegsschiffe und einen Flugzeugträger zu versenken. Die Attacken, ergab später die Simulation, hätten im Ernstfall den Tod von 20 000 US-Soldaten bedeutet.

Schauplatz des Manövers, das nach der Niederlage der US-Army abgebrochen wurde, war der Persische Golf. Bei der von Riper geführten Gegenpartei handelte es sich um iranische Revolutionsgardisten. Der Generalleutnant protestierte damals gegen den Abbruch der Wehrübung und betonte, dass «sich die Geschichte eines Tages wiederholen könnte».

Sind wir 17 Jahre später nun so weit? Die guten Nachrichten zuerst: Noch vor zwei Wochen hatte Donald Trump das «offizielle Ende Irans» angekündigt, falls «sie kämpfen wollen». Am Samstag ruderte der US-Präsident zurück und entgegnete auf die Frage, wie man auf die aus seiner Sicht bewiesene Mitwirkung Irans beim Angriff auf die beiden Tanker reagieren werde: «Wir werden sehen». Trump ist im Gegensatz zu seinem Sicherheitsberater John Bolton kein Freund von Militärinterventionen. Bolton gilt als Architekt der gegen Iran gerichteten «Strategie des maximalen Drucks», dem vollständigen Exportstopp für iranisches Öl, die nach den Tankerangriffen als gescheitert betrachtet werden muss.

Teheran wird vor den USA nicht kapitulieren. Schliesslich hat das Regime seinen Atomvertrag mit den fünf Supermächten unterzeichnet und diesen, trotz Warnungen, bisher nicht gebrochen. Dies taten die Amerikaner. Trotzdem werden wir mit den schärfsten Sanktionen der Welt bestraft und die ganze Welt sieht zu, fragen längst nicht nur iranische Hardliner.

Noch ist es nicht geklärt, ob Iran wirklich für die Tankerangriffe verantwortlich ist. Vieles deutete aber daraufhin, dass es früher oder später zu solchen Zwischenfällen kommen würde. Immer wieder hatten iranische Kommandeure vor einer Sperrung der Meerenge von Hormuz gewarnt, falls man, wie von den USA ja beabsichtigt, kein Öl mehr exportieren könne. Wir werden uns nicht erwürgen lassen, lautete die Warnung aus Teheran. Diese wurde im Westen zwar gehört, letztendlich aber ignoriert.

Am vergangenen Montag hatte der deutsche Aussenminister Heiko Maas in Teheran schmallippig verkündet, man «könne keine Wunder vollbringen», als er zum völkerrechtswidrigen Ölembargo der USA befragt wurde. Es geht jedoch nicht um Wunder. Um zu verhindern, dass die Dinge ausser Kontrolle geraten, muss die Welt dem Iran Brücken bauen. Wenn weiterhin tatenlos zugesehen wird, wie das Land von den USA wirtschaftlich an die Wand gedrückt wird, brauche man sich nicht wundern, wenn in der Golfregion ein Krieg ausbricht, den viele nicht wollen.

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