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Bringt die Schweiz Kameruns Despoten an den Verhandlungstisch?

Im Westen von Kamerun kämpfen Separatisten für einen eigenen Staat. Nun soll die Schweiz vermitteln
Markus Schönherr, Kapstadt
Protest in Genf gegen Kameruns Präsidenten Paul Biya (Bild: Keystone, June 29, 2019)

Protest in Genf gegen Kameruns Präsidenten Paul Biya (Bild: Keystone, June 29, 2019)

Brennende Barrikaden in den Strassen, entführte Politiker und zerstörte Schulen – so sieht der Alltag in der neuen Republik Ambazonia aus. Zumindest, wenn es nach den separatistischen Rebellen im Westen Kameruns geht. Die riefen vor zwei Jahren ihren eigenen Staat aus. Seitdem kostete der Konflikt zwischen Regierung und deren bewaffneten Gegnern mehr als 2000 Menschen das Leben. Kann die Schweiz nun als Vermittlerin den Streit beilegen?

Die Kameruner eint ihre gemeinsame Geschichte: Bis 1916 wehte an der tropischen Atlantikküste Westafrikas die Flagge des Deutschen Kaiserreichs. Nach dem Ersten Weltkrieg wurde das Gebiet in eine französische und eine britische Teilkolonie gespalten. Es war die Geburtsstunde des heutigen Sprach- und Kulturkonflikts. 1961 wurde Kamerun wiedervereint. Seither werfen die englischsprachigen Bewohner der französischsprachigen Regierung «Unterdrückung und Benachteiligung» vor. Dass Präsident Paul Biya mit 37 Amtsjahren einer der am längsten regierenden Staatschefs Afrikas ist, hat nicht gerade geholfen, das Land zu einen.

2016 eskalierte der Konflikt, als Anwälte und Lehrer auf die Strasse gingen und gegen eine «Französisierung» von Gerichten und Schulen demonstrierten. Als die Separatisten im Jahr darauf ihre Unabhängigkeit ausriefen, reagierte die Zentralregierung mit Gewalt. Soldaten brannten Schulen und Krankenhäuser nieder, räumten ganze Dörfer. Die Separatisten wiederum verübten Anschläge und entführten Politiker.

Das Land der vergessenen Krisen

Auf die Zivilbevölkerung hat der Konflikt katastrophale Auswirkungen. 1,3 Millionen im Bürgerkriegsgebiet seien laut UNO auf Hilfe angewiesen. Die Hälfte davon seien Kinder. Im umkämpften Westen blieben 80 Prozent der Schulen geschlossen, dadurch drohe eine «verlorene Generation». Unterdessen sollen Hunderte Jugendliche, die vor den Kämpfen flohen, heute als Haussklaven in der Hauptstadt Yaoundé leben. Besorgt zeigte sich UNO-Menschenrechtskommissarin Michelle Bachelet nach einem Besuch im Mai: Die Situation drohe «komplett ausser Kontrolle» zu geraten.

Kamerun steht ganz oben auf der diesjährigen «Liste der vergessenen Krisen» des Norwegian Refugee Council (NRC). Von allen Konflikten weltweit schenkten Medien und Politik dem blutigen Sprachkonflikt in Kamerun die wenigste Aufmerksamkeit. Dazu das NRC:

«Bisher gab es keine erfolgreiche Vermittlung und nur minimalen Druck auf die Parteien, die Angriffe auf Zivilisten zu beenden.»

Das könnte sich nun ändern. Ende Juni gab das Eidgenössische Departement für auswärtige Angelegenheiten (EDA) bekannt, einen «Fazilitationsprozess» auf Anfrage der Parteien begonnen zu haben. Für ein Vorbereitungstreffen trafen Kameruns Regierungsgegner dazu in der Schweiz zusammen. Ziel sei es, als Vermittler für eine «friedliche und dauerhafte Verhandlungslösung der Krise» einzutreten. Auf Anfrage präzisierte EDA-Sprecher Pierre-Alain Eltschinger:

«In dieser Rolle kann die Schweiz Kontakte knüpfen und Kommunikationskanäle bereitstellen, ist aber nicht am Verhandlungsinhalt beteiligt.»

Ist Paul Biya bereit, sich mit den Rebellen an einen Tisch zu setzen? Oder gab er in Genf bereits einen Vorgeschmack auf seine Verhandlungsposition? Ausgerechnet zum Zeitpunkt der Gespräche Ende Juni residierte Kameruns Autokrat dort im Hotel Intercontinental. Als sich Regierungsgegner vor dem Haus zu einer Kundgebung versammelten, lösten Biyas Sicherheitsleute die Versammlung auf und griffen dabei einen Reporter des Radiosenders RTS an. Das EDA nannte den Zwischenfall «inakzeptabel» und zitierte Kameruns Botschafter nach Bern.

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