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Brigitte Macron: Die Lehrerin der Republik

Die ehemalige Lehrerin des französischen Präsidenten gibt wieder Schule: First Lady Brigitte Macron lehrt Arbeitslose – und punktet für ihren Ehemann.
Stefan Brändle, Paris
Die First Lady kehrt zurück in ihren alten Job: Brigitte Macron unterrichtet wieder. (Bild: EPA)

Die First Lady kehrt zurück in ihren alten Job: Brigitte Macron unterrichtet wieder. (Bild: EPA)

Brigitte Macron kehrt in ihren angestammten Beruf zurück – zumindest einmal im Monat. Frankreichs Première Dame hat diese Woche erstmals seit Jahren wieder unterrichtet. Ort des Geschehens war Clichy-sour-Bois, jener Banlieue-Ort, wo 2005 die bisher schwersten Vorstadtkrawalle Frankreichs losgegangen waren. Madame Macron unterrichtete junge Arbeitslose und frühe Schulabgänger über den Eintritt in den Arbeitsmarkt. Von den 700 000 Franzosen, die die Schule ohne Abschluss verlassen haben, sind die meisten arbeitslos.

Nachher meinte Brigitte Macron, sie sei glücklich, ihren Beruf wiederzufinden. Es sei «un beau challenge», eine schöne Herausforderung, ergänzte die First Lady , wobei sie das französische Wort «beau» mit dem englischen «challenge» vermischte, wie sie das gerne tut.

Brigitte Macron stammt zwar aus gutem Elternhaus – einer bürgerlichen Familie aus der nordfranzösischen Stadt Amiens. Aber sie hat einen volkstümlichen Stil bewahrt, was sich auch in den englischen Ausdrücken äussert, die sie gerne einflicht.

Verliebt in einen Schüler

Vielleicht hat sie sich so auch von ihrem steifen Elternhaus distanziert. Früh und gut verheiratet, hatte sich die noch kaum 40-jährige Lehrerin im Theaterunterricht in einen ihrer Schüler verliebt – einen gewissen Emmanuel. Der aufgeweckte Teenager war 24 Jahre jünger als die adrette, aber leider verheiratete Lehrerin. In der Provinz führte die Liaison zu einem handfesten Skandal; auf den Schaufenstern der Schokoladewaren, die die Familie Trogneux verkaufte, waren Graffiti gegen die Lehrerin zu lesen.

Das so ungleiche wie unzertrennliche Paar hielt den Anfeindungen stand und heiratete bald, nachdem sich Brigitte hatte scheiden lassen. Die Folge ist bekannt: Macron verschlug es in die Politik und zog 2017 in den Elysée-Palast ein.

In den sozialen Medien liest man seither immer wieder Spötteleien über den grossen Altersunterschied des Präsidentenpaares. Auch der brasilianische Präsident Jair Bolsonaro machte sich via Twitter darüber lustig, als ihn der französische Amtskollege wegen der Waldbrände im Amazonas-Gebiet kritisierte.

Brigitte ist sich die höhnischen Anwürfe gewohnt. Im Alleingang dirigiert sie den präsidialen Haushalt, der zwar kinderlos ist, aber die First Lady voll beansprucht. In der Öffentlichkeit ist sie für ihre direkte Art und den komplexlosen Umgang mit ihrem Alter (66) bekannt und populär.

Im Palast hat sie sich aber mit ihrem resoluten Wesen viele Feinde gemacht. So vor allem unter den so genannten «Mormonen», jenen jungen Beratern, die Emmanuel aus den Pariser Eliteschulen und Ministerien mitgebracht hatte. «Ihrem» Präsidenten ergeben, verfolgten sie ungern den auch politischen Einfluss Brigitte Macrons, die von Pariser Medien «Macrons erste Beraterin» genannt wurde.

Heute haben die meisten «Mormonen» der ersten Stunde das Elysée verlassen; Brigitte bleibt und herrscht weiter hinter den Kulissen. Mit ihrer Bekannten Mimi Marchand (71), der ungekürten PR-Königin von Paris, organisiert sie die Imagepflege des Präsidenten.

Im Stadion ausgebuht

Ihr jüngster Lehrerinnen-Auftritt fällt in diese Kategorie. Damit bemüht sie sich um einen sozialeren Ruf, nachdem die Gelbwesten die Macrons als reiche Bourgeois karikiert hatten. Im März wurde Brigitte in Reims bei einem karitativen Fussballmatch so laut ausgebuht, dass sie das Stadion frühzeitig verlassen musste.

Ihr wird vorgehalten, sie beschäftige eine Stylistin für 5200 Euro im Monat; sie habe im Elysée neues Sèvres-Geschirr für 500 000 Euro bestellt und in der präsidialen Sommerresidenz Bregançon an der Côte d’Azur einen Pool eingerichtet, obwohl ihr Gatte kundtat, er bade lieber im Meer.

Mittlerweile haben sich die «gilets jaunes» wieder etwas beruhigt. Als Brigitte Macron im August aus Brasilia attackiert wurde, erhielt sie in Frankreich breite und spontane Unterstützung von links wie rechts. Ob angefeindet oder bejubelt, die First Lady bleibt cool. Sie weiss, dass eigentlich alles nicht ihr gilt, sondern ihrem Emmanuel. Und für ihn würde sie durchs Feuer gehen.

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