Boxweltmeister Klitschko will die Ukraine retten

In der Ukraine finden Ende Oktober Parlamentswahlen statt. Doch eher als Oppositionspolitikerin Julia Timoschenko mischt zurzeit Boxweltmeister Vitali Klitschko die Politik auf.

Paul Flückiger
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Vitali Klitschko (Bild: ap)

Vitali Klitschko (Bild: ap)

WARSCHAU. «Ich verkaufe mich nie und werde dies nie tun», sagt Vitali Klitschko. Der Boxweltmeister hat in Moskau eben erst gegen Manuel Charr gewonnen, zu Hause in Kiew indes überzeugt er weniger. Seit der 41-Jährige Politik macht, um «die Ukraine zu retten», muss er viel Neues lernen. An einer Pressekonferenz versucht er den Vorwurf zu entkräften, er lasse sich von Oligarchen finanzieren. Seiner Partei «Udar» (Schlag) wird Nähe zur regierungsnahen Energie-Handelsfirma «RosUkrEnergo» nachgesagt.

Alternative zu Timoschenko

Dies passt nicht zu Klitschkos selbstgewählter Rolle. Bisher konnte er sich als Alternative zu Julia Timoschenko verkaufen. Anders als die Oppositionsführerin habe er sein Vermögen ehrlich und erst noch mit den eigenen Händen erworben, sagen seine Anhänger. Der inhaftierten Timoschenko werfen viele vor, sie sei selber eine Oligarchin und habe mit ihrer Orangen Revolution weder die Korruption abgeschafft noch das Leben der Leute verbessert. Deshalb konnte «Udar» in der Wählergunst auch zulegen, während Timoschenkos «Batkiwtschina» (Vaterland) an Ort tritt.

Die politische Gefangene des Regimes um Präsident Wiktor Janukowitsch hat Mühe, ihre ganz auf sie ausgerichtete Partei aus dem Gefängnisspital heraus zu führen. Zudem wurde ihre Spitzenkandidatur von der Wahlkommission abgelehnt. Dies macht sie zwar zur Märtyrerin, doch den Wahlkampf erleichtert es nicht.

Opposition gespalten

Laut Umfragen könnten Timoschenkos und Klitschkos Partei die Wahlen zusammen zwar knapp gewinnen, doch Absprachen zwischen ihnen gibt es so gut wie keine. Die Ex-Regierungschefin und der Boxprofi haben bisher keine gemeinsame Sprache gefunden. Die beiden Parteien drohen sich so die Oppositionsstimmen gegenseitig abzujagen.

Nur vier Parteien können damit rechnen, in der Wahl die Fünf-Prozent-Hürde für den Einzug ins Parlament zu überwinden: die heutige Regierungspartei PRU (28 Prozent), die Oppositionsparteien «Batkiwtschina» (26) und «Udar» (12) und die regierungsfreundliche KP (8). Die Opposition rechnet aber schon jetzt mit Wahlmanipulation über den Kauf von Abgeordneten, die nicht über Parteilisten, sondern in Einerwahlkreisen gewählt werden.

Klitschko lässt sich davon nicht beeindrucken: «Wir wollen die beschämende Realität in der Ukraine verändern und eine Politik für die Menschen machen.» Kritiker werfen ihm einen Schuss zu viel Naivität vor.