Bootsflüchtlinge erreichen die Schweiz

In den vergangenen Tagen sind überdurchschnittlich viele Asylsuchende in die Schweiz gelangt. Im Empfangszentrum Chiasso kam es deswegen zu Engpässen. Die Behörden handelten und stellten in Zivilschutzanlagen zusätzliche Unterbringungsplätze bereit.

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In den vergangenen Tagen sind überdurchschnittlich viele Asylsuchende in die Schweiz gelangt. Im Empfangszentrum Chiasso kam es deswegen zu Engpässen. Die Behörden handelten und stellten in Zivilschutzanlagen zusätzliche Unterbringungsplätze bereit. Das Grenzwachtkorps registrierte an der Südgrenze eine ausserordentlich hohe Anzahl Personen, die sich ohne Aufenthaltsbewilligung in der Schweiz aufhalten. Das Empfangszentrum Chiasso habe alleine über das Wochenende rund 350 neue Eintritte von Asylsuchenden verzeichnet, teilte das Staatssekretariat für Migration (SEM) mit. Grund für den markanten Anstieg dürften die vielen Bootsflüchtlinge sein, die in den letzten Wochen nach Süditalien kamen.

Bereits seit Mitte Mai werden überdurchschnittlich hohe Asylgesuchszahlen verzeichnet, wie das SEM schreibt. Diese seien nun nochmals gestiegen: In der letzten Woche hätten 1044 Asylsuchende Einlass in einer Bundesunterkunft verlangt.

Vorwiegend Menschen aus Eritrea

In der Region IV des Grenzwachtkorps, in der Chiasso liegt, wurden dieses Jahr bis im Mai 3150 «rechtswidrige Aufenthalter» registriert. Dies seien 45 Prozent aller an Schweizer Grenzen festgestellten Fälle, sagt der Sprecher der Eidgenössischen Zollverwaltung Attila Lardori. Allein in den ersten beiden Juni-Wochen sind an den Tessiner Grenzübergängen 610 Personen registriert worden, darunter 420 eritreische Staatsbürger.

Das SEM stellte deshalb in Zusammenarbeit mit den kantonalen und kommunalen Behörden neue Unterbringungsplätze bereit. Drei Zivilschutzanlagen im Tessin wurden kurzfristig in Betrieb genommen. Insgesamt können dort rund 150 Personen untergebracht werden. Zudem wurden mehrere Dutzend Personen in andere Empfangs– und Verfahrenszentren des Bundes gebracht. Auch in der Deutschschweiz seien in jüngster Zeit weitere 160 Plätze in Zivilschutzanlagen eröffnet worden, schreibt das SEM. Der Bund prüfe derzeit, ob weitere temporäre Unterkünfte in anderen Kantonen eröffnet oder erweitert werden können. Im Fokus stehe die Eröffnung von Notunterkünften rund um die Empfangszentren des Bundes sowie die Erweiterung der Aufnahmekapazität in bestehenden temporären Unterkünften. Zusätzlich verstärkt das Grenzwachtkorps die Kontrollen an der Südgrenze. Mitarbeitende aus anderen Regionen werden an die Südgrenze verlegt.

Nicht im Zivilschutzbunker

Der Bund hatte zu Beginn des Jahres mit 29 000 Asylgesuchen für 2015 gerechnet. Aufgrund der vielen anhaltenden Krisenherde und aufgrund des Zustroms in Süditalien könne ein weitergehender Anstieg der Asylgesuche nicht ausgeschlossen werden, teilte das SEM mit. Der Bund werde die Lage in den nächsten Monaten wieder neu beurteilen.

Derweil haben sich Asylbewerber in der Westschweiz geweigert, in einen Zivilschutzbunker einquartiert zu werden. Sie besetzten das Kulturhaus Maison des arts du Grütli mit Unterstützung eines Solidaritäts-Komitees in Genf und verbrachten die Nacht auf Dienstag in einem Saal im zweiten Stock. Die Stadt, welche Besitzerin des Kulturhauses ist, hat nur für eine Nacht grünes Licht gegeben. Die Betreibergesellschaft der Genfer Asylunterkünfte hatte vergangene Woche angekündigt, für neue Asylbewerber zwei Zivilschutzanlagen zu öffnen. Die Behörden wollen vor allem alleinstehende Männer in den Bunkern einquartieren, um Platz für ankommende Familien zu schaffen. Die Asylbewerber prangern die Bedingungen in den Zivilschutzanlagen als «unwürdig» an. (sda)