Boko-Haram-Terror in Kamerun

Eine Serie von Anschlägen erschüttert den Norden des westafrikanischen Staates Kamerun. In der Stadt Bodo zünden vier Suizidattentäter ihre Bomben auf einem Markt und reissen 32 Menschen mit in den Tod.

Walter Brehm
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Zwei Sprengsätze sind auf dem dem Marktplatz des Dorfes Bodo detoniert; eine dritte Bombe auf einer Brücke in der Nähe eines Militärlagers der kamerunischen Armee. Mindestens 86 Menschen erlitten laut den staatlichen Medien Kameruns Verletzungen. Unter der Attentätern sollen auch junge Mädchen gewesen sein.

In Säcken versteckte Bomben

Nach Angaben eines Sicherheitsbeamten in Bodo setzten die Terroristen, nicht wie sonst bei solchen Anschlägen üblich, keine Sprengstoffgürtel ein. Die Bomben seien in Gemüsesäcken versteckt auf den belebten Marktplatz gebracht worden. Zu den Massakern bekannte sich zunächst niemand. Laut Midjiyawa Bakary, dem zuständigen Gouverneur, gehen Kameruns Behörden aber davon aus, dass die Täter aus den Norden Nigerias gekommen waren, der Hochburg der Jihad-Gruppe Boko Haram (Westliche Bildung ist Sünde). Die sunnitischen Terroristen verüben in der an Nigeria grenzenden Region um Bodo und in grenznahen Gebieten Tschads und Nigers regelmässig Anschläge – zuletzt haben sich dort zwei Selbstmordattentäterinnen im vergangenen Dezember in die Luft gesprengt. Die Armeen der Länder bekämpfen gemeinsam mit Nigerias Streitkräften die Boko Haram.

Zehntausende Opfer seit 2009

Die Jihadisten der Boko Haram bekennen sich als Provinz des «Islamischen Staates» (IS). Sie wollen den islamischen Norden Nigerias und die Grenzgebiete Kameruns, Nigers und Tschads nach salafistischer Auslegung des Islam der Sharia unterwerfen. Seit 2009 hat die Gruppe mindestes 14 000 Menschen getötet, Tausende weitere verschleppt und teilweise versklavt. Die Boko-Haram-Jihadisten sind dafür bekannt, dass sie auch Gefangene für Anschläge missbrauchen, hiess es gestern in Nigerias Hauptstadt Abuja. Allein im Norden Kameruns melden die Behörden seit 2013 fast 1200 zivile Todesopfer. Laut humanitären Organisationen sind zudem in der ganzen Region insgesamt etwa 2,7 Millionen Menschen vor dem Terror der Boko Haram auf der Flucht.

Terror trotz Militärerfolgen

Erst vor einer Woche hatten die Streitkräfte Kameruns gemeldet, 143 Kämpfer der Boko Haram getötet zu haben. Hunderte der Jihadisten hatten ebenfalls im Norden des Landes einen grenznahen Militärstützpunkt angegriffen. Die kamerunischen Truppen hätten den Angriff zurückgeschlagen und wichtiges Kriegsgerät der Angreifer beschlagnahmt, darunter Schnellfeuerwaffen, schwere Waffen, Munition aller Kaliber und Funkausrüstungen,

Gouverneur Bakary hatte danach zwar erklärt: «Dies ist der bisher schwerste Verlust, den die sunnitischen Fundamentalisten erlitten haben, seit sie im vergangenen begannen, verstärkt Ziele in Kamerun anzugreifen.» Die Fähigkeit der Jihadisten, weitere Massaker in Nordkamerun zu verüben, scheint damit aber nicht gebrochen worden zu sein.

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