Bizarre Szenen

Karl von Habsburg-Lothringen, ein Enkel des letzten Habsburger Kaisers Karl I., kam zu den 100-Jahr-Gedenkfeiern auch nach Sarajevo. Eilig huschte er mit Begleitung am «Attentat-Museum» an der Lateinerbrücke vorbei Richtung Rathaus.

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Karl von Habsburg-Lothringen, ein Enkel des letzten Habsburger Kaisers Karl I., kam zu den 100-Jahr-Gedenkfeiern auch nach Sarajevo. Eilig huschte er mit Begleitung am «Attentat-Museum» an der Lateinerbrücke vorbei Richtung Rathaus. Am Tatort von 1914 hatten sich viele Menschen versammelt, doch es blieb ruhig, niemand erkannte ihn. Seinen Vater Otto von Habsburg, der 2011 starb, hätte man sofort erkannt, er wäre stehengeblieben und hätte sich unters Volk gemischt. Er parlierte in vielen slawischen Sprachen, mit nasalem Schönbrunner Akzent.

Just zum Zeitpunkt des Attentats von Sarajevo vor 100 Jahren posierte am Samstag um 11 Uhr ein uniformierter Komiker an der Lateinerbrücke. Er entpuppte sich als Oberst des österreichischen Bundesheeres, der es offensichtlich als witzig empfand, das Attentat auf den Thronfolger Franz Ferdinand zu parodieren. In einem nachgebauten «Gräf & Stift»-Automobil sassen zwei Schauspieler, die das Thronfolgerpaar darstellen sollten, und auf die ein weiterer Darsteller mit einer Wasserspritzpistole zielte.

Ein Wandbild für den Attentäter

Eine bizarre Szene spielte sich auch in Visegrad ab. In der Nähe des ostbosnischen Städtchens, Schauplatz des Romans «Die Brücke über die Drina» des Schriftstellers Ivo Andric, hat der Filmemacher und zum serbischen Nationalisten konvertierte Bosniake Emir Kusturica das fiktive Städtchen «Andricgrad» gebaut. Ein mosaikartiges Wandbild zeigt Gavrilo Princip und seine Kameraden beim Attentat auf Franz Ferdinand. Ein Schauspieler verkörperte Princip, mit einer Browning-Pistole fuchtelnd. Das Mosaik ist mit einem Zitat Princips versehen: «Unser Schatten wird durch Wien gehen, durch den Hof irren, die Herrschaften in Angst versetzen.» Wozu die Verewigung dieses Unheilszenarios dienen sollte, werden die politischen Auftraggeber in Belgrad und Banja Luka wohl wissen. (R. G.)

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