Bis zu 70 Prozent sind noch unentschlossen

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Wahlen Am 15. März sind rund 13 Millionen Niederländer aufgerufen, ein neues Parlament zu wählen. Lange galt die Partei der Freiheit (PVV) des Islamkritikers Geert Wilders als Favoritin. In neusten Umfragen konnten die liberal-konservativen der VVD-Regierungs­partei jedoch aufholen und liegen nun Kopf an Kopf mit der PVV.

Doch das Rennen dürfte bis zum Schluss offen bleiben: Die Niederländer entscheiden sich traditionell erst kurz vor der Wahl. Analysten gehen zurzeit von noch 60 bis 70 Prozent Unentschlossenen aus.

Extrem zersplitterte Parteienlandschaft

Selbst wenn Wilders die Wahl gewinnt, dürfte es ihm aber schwerfallen bis unmöglich sein, eine Regierung zu bilden. Die niederländische Parteienlandschaft ist extrem zersplittert: Insgesamt 28 Parteien treten zur Wahl an. Nur den Liberalen von Regierungschef Mark Rutte und Wilders’ PVV werden Chancen um die 20 Prozent eingeräumt – weitere fünf Parteien bewegen sich zwischen 8 und 12 Prozent. Für eine Regierungsbildung müsste also eine Koalition von vier bis fünf verschiedenen Parteien geschmiedet werden.

Doch eine Zusammenarbeit mit Wilders haben praktisch alle Parteien kategorisch ausgeschlossen. Wilders führt einen aggressiven Wahlkampf auf dem Buckel von Muslimen und der EU. Bei einem Wahlsieg stellt er ein Verbot des Korans, die Schliessung von Moscheen und den EU-Austritt in Aussicht.

Zu einer direkten Konfrontation per Debatte ist es zwischen dem amtierenden Ministerpräsidenten Mark Rutte und Wilders bisher nicht gekommen. Wilders hat Ende letzter Woche seine Teilnahme an der ersten nationalen Radiodebatte vor der Wahl mit Spitzenkandidaten von neun Parteien abgesagt. Wilders lehnte auch die Teilnahme an einer TV-Debatte am letzten Sonntag ab.

Wilders hatte im Laufe der letzten Woche wegen einer undichten Stelle beim Personenschutz – von dem er wegen Drohungen konstant bewacht wird – alle öffentlichen Auftritte während des Wahlkampfes ausgesetzt. (rhb/red)