«Bis hierher und nicht weiter»

Rupert Murdoch ist in Grossbritannien nach dem Abhörskandal zurückgekrebst. Premier David Cameron hat eine Untersuchung des Skandals in Auftrag gegeben.

Sebastian Broger
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In den Strassen Londons verhöhnt: Rupert Murdoch und Premierminister Cameron sowie sein Vize Clegg. (Bild: epa/Facundo Arrizabalaga)

In den Strassen Londons verhöhnt: Rupert Murdoch und Premierminister Cameron sowie sein Vize Clegg. (Bild: epa/Facundo Arrizabalaga)

london. Unter dem Druck von Regierung und Öffentlichkeit hat die amerikanische Medienholding News Corporation gestern das Übernahmeangebot für den britischen Bezahlsender BSkyB zurückgezogen. Rupert Murdochs Konzern stand nach immer neuen Enthüllungen krimineller Machenschaften am Pranger. Der konservative Premier Cameron begrüsste den Entscheid, den er kurz zuvor im Unterhaus gefordert hatte: «Das Unternehmen sollte nicht über Übernahmen nachdenken, sondern den eigenen Laden in Ordnung bringen.» Labour-Oppositionsführer Miliband sprach von «einem Sieg für die Menschen in unserem Land». Murdochs Einfluss auf der Insel solle «bis hierher und nicht weiter» reichen.

Der Vizechef von «News Corporation», Chase Carey, sagte in einer kurzen Erklärung, der Deal im Wert von rund acht Milliarden Pfund hätte beiden Unternehmen Vorteile bringen können. «Im derzeitigen Klima ist es zu schwierig.» Man bleibe jedoch ein langfristiger Aktionär. Schon bisher gehören Murdoch 39 Prozent des einst von ihm aus der Taufe gehobenen, hochprofitablen Satellitensenders. Die Übernahme der gesamten Firma sollte der bisher grösste Deal des 80jährigen Medienzaren sein. Branchenbeobachter werten die Kehrtwende nach 13monatiger Bieterzeit zwar als schwere Niederlage, schliessen aber auch einen taktischen Rückzug nicht aus.

Einstimmiges Unterhaus

Murdochs britisches Verlagshaus News International (NI) sieht sich seit gut einer Woche täglich neuen Vorwürfen ausgesetzt. Zunächst ging es um kriminelle Recherchemethoden beim mittlerweile eingestellten Sonntagsblatt «News of the World» (NoW), später auch um Bestechungszahlungen an Polizisten in Höhe von mindestens 100 000 Pfund. Seither gerieten auch «Sunday Times» und die Tageszeitung «Sun» in die Kritik. Insgesamt sollen NI-Mitarbeiter bis zu 4000 Briten illegal abgehört haben. Sogar hohe Beamte von Scotland Yard outeten sich als Abhöropfer und beschuldigten das Verlagshaus NI, es habe die polizeilichen Ermittlungen «absichtlich behindert». Freilich steht auch die Strafverfolgungsbehörde wegen jahrelang zögerlicher Ermittlungen in der Kritik.

Im Unterhaus sah sich der Murdoch-Konzern von der geschlossenen politischen Elite Grossbritanniens an den Pranger gestellt. Einen Entschliessungsantrag der Labour-Party gegen die geplante BSkyB-Gesamtübernahme hatten nicht nur Abgeordnete der konservativ-liberalen Regierungskoalition unterschrieben. Auch sämtliche kleinere Parteien im Parlament bis hin zur einzigen grünen Abgeordneten unterstützten die Machtprobe.

Durch sein entschlossenes Vorgehen hat Labour-Chef Miliband bei Freund und Gegner Punkte gemacht. Noch vor kurzem galt der 41-Jährige als ungeschickt und unpopulär. In den Umfragen lag er weit hinter dem Premier zurück.

Spitzenjurist soll ermitteln

David Cameron war in der Affäre von Beginn an gehandicapt: Noch als Oppositionsführer hatte der Konservative den früheren NoW-Chefredaktor Andy Coulson als Presseberater angeworben und nach Regierungsantritt auch in die Downing Street mitgenommen. Erst im Januar trat Coulson zurück. «Wenn seine Beteuerungen falsch waren, von illegalen Handlungen nichts gewusst zu haben», sagte Cameron im Unterhaus, «wird er strafrechtlich zur Rechenschaft gezogen.»

Mit Zustimmung Milibands sowie des liberalen Vizepremiers Clegg hat Cameron Lordrichter Brian Leveson mit einer Untersuchung der Affäre betraut. Binnen zwölf Monaten soll er seinen ersten Bericht vorlegen.