Bewaffnete greifen drei Armee-Basen in Burundi an

Schüsse haben gestern in den frühen Morgenstunden die burundische Hauptstadt geweckt. Bei anscheinend koordinierten Angriffen auf drei Basen der Armee in Bujumbura sind mehrere Menschen getötet worden. Die französische Nachrichtenagentur AFP berichtete von «Dutzenden Toten».

Walter Brehm
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Schüsse haben gestern in den frühen Morgenstunden die burundische Hauptstadt geweckt. Bei anscheinend koordinierten Angriffen auf drei Basen der Armee in Bujumbura sind mehrere Menschen getötet worden. Die französische Nachrichtenagentur AFP berichtete von «Dutzenden Toten». Eine offizielle Bestätigung dafür gab es zunächst nicht.

Opfer soll es aber auf beiden Seiten gegeben haben. Ein Soldat erklärte der britischen Agentur Reuters, in seiner Basis im Quartier Ngagara seien mindestens fünf Soldaten und zwei der Angreifer getötet worden. Schüsse und Explosionen waren laut zivilen Zeugen an mindestens zwei weiteren Orten in Bujumbura zu hören gewesen.

«Ich bin ein Sklave»

Nach den Gefechten sollen demnach die Strassen der burundischen Hauptstadt am Vormittag fast menschenleer geblieben sein. Die UNO und ausländische Botschaften forderten ihre Mitarbeiter auf, zu Hause zu bleiben. Eine Verlautbarung der Regierung zu den Vorfällen blieb zuerst aus. Auf Twitter teilte ein Regierungssprecher später mit, ein Angriff der Rebellengruppe «Sindumuja» («Ich bin ein Sklave») sei zurückgeschlagen worden. Ein im ruandischen Exil lebender Oppositioneller sagte unserer Zeitung am Telefon hingegen: «Die Angreifer haben Waffen erbeutet und einige Soldaten haben sich ihnen angeschlossen.»

Die burundische Opposition und Menschenrechtsorganisationen warnen seit Monaten vor einer Eskalation der Gewalt im Land, das seit dem verfassungswidrigen Beharren Präsident Pierre Nkurunzizas auf der Macht von Repression und Protesten erschüttert wird.

Neuer ethnischer Konflikt?

Oppositionelle in Bujumbura berichteten am Nachmittag, die Polizei habe Strassensperren errichtet und damit begonnen, Menschen auf Grundlage ihrer Ethnie zu verhaften. Tutsi, die von der Regierung Nkurunziza per se zur Opposition gezählt werden, seien aus ihren Autos gezerrt worden. Unabhängige Bestätigungen solcher Berichte, die vor allem über die sozialen Medien Twitter und Facebook verbreitet werden, gabt es gestern nicht. Tatsache aber ist, dass die beiden Volksgruppen Hutu und Tutsi anders als in Ruanda auf Grund ihrer Personalausweise, in denen die Ethnie angegeben ist, erkannt werden können. Ruanda hatte diese Kennzeichnung von Personalpapieren nach dem Völkermord von 1994 abgeschafft.

Vor allem die britische Regierung warnt seit Monaten vor einem Rückfall Burundis in ethnisch begründete Gewalt.

Erinnerung an Bürgerkrieg

Erst vor einem Jahrzehnt war in Burundi ein Bürgerkrieg beendet worden, dem mindestens 300 000 Menschen zum Opfer fielen. Vermittlungen der Afrikanischen Union und europäischer Staaten in den aktuellen Unruhen sind bisher gescheitert.

UNO Generalsekretär Ban Ki Moon hatte Anfang Dezember zuerst die Entsendung von Blauhelmsoldaten nach Burundi angeregt, es dann aber vorerst bei einem «Unterstützungs-Team» belassen, das einen Dialog zwischen Regierung und Opposition voranbringen soll.

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