Bersani: Ein Termin jagt den nächsten

Der mit der Regierungsbildung beauftragte Pierluigi Bersani geht auf Tuchfühlung mit Industrie, Handwerk und Bauernverbänden, mit den Kommunen und Parteien. Berlusconi hofft indes auf Neuwahlen, auch Grillo schiesst weiter quer.

Wolf Wagner
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Pierluigi Bersani. (Bild: ap/ Mauro Scrobogna)

Pierluigi Bersani. (Bild: ap/ Mauro Scrobogna)

FLORENZ. Etwas Entspannung muss sein. Am Abend des ersten Konsultationstages gönnte sich der Chef der italienischen Demokratischen Partei (PD) und Ministerpräsident in spe, Pierluigi Bersani, in aller Stille ein Bier: Nach schier endlosen Gesprächen zog er sich in sein römisches Lieblingslokal zurück. Drei Tage hatte ihm Präsident Giorgio Napolitano gegeben, um den Vertretern auf allen politischen Ebenen sein Programm vorzustellen und eine funktionierende Regierungsmannschaft zu bilden.

Dienstag ist Tag der Wahrheit

Am Sonntag empfing Bersani im Stundentakt die Vertreter der Industrie- und Handwerksverbände, der Bauern- und Verbraucherorganisationen, der Sozialverbände sowie führende Wirtschaftsvertreter. Heute Montag setzt der designierte Premier seine Konsultationen mit den im Parlament vertretenen politischen Parteien fort. Gegen Abend wollen dann die Fraktions- und Parteispitzen des Mitte-Links-Bündnisses zusammentreten, um eine Auswertung zu treffen.

Die Agenda sieht für den Dienstag vor, dass Pierluigi Bersani sein Kabinett vorstellt. Ob dies zu einer funktionierenden Regierung führt, ist noch nicht absehbar, denn sowohl Beppe Grillo als auch Silvio Berlusconi lassen nichts unversucht, den Lauf der Dinge zu ändern.

Grillo bleibt bei Absage

Der Gründer und Führer der Bewegung 5 Sterne (M5S), Altkomiker Beppe Grillo, wird nicht müde, seine Absage an das traditionelle Parteiensystem und damit auch an eine PD-geführte Regierung zu wiederholen. Seine jüngste Attacke richtet sich gegen die Wahl der Kammerpräsidenten Laura Boldrini (Abgeordnetenhaus) und Pietro Grasso (Senat).

Wenn M5S noch die Wahlen der Kammerpräsidenten schliesslich durchgehen liess, bei der Vertrauensabstimmung über eine Mitte-Links-Regierung unter Bersani würde es einem Wunder gleichen, wenn die «Grillini» zustimmten.

Berlusconi glaubt an Neuwahlen

Silvio Berlusconi versammelte seine Anhängerschaft am Samstag auf der römischen Piazza del Popolo. Dort wütete er gegen den designierten Premier Bersani. Berlusconi warnte vor einem heraufziehenden Kommunismus, wenn die Linken alle Staatsinstanzen in ihre Hände bekämen. Er rief seine Getreuen – etwa 20 000 waren gekommen – auf, sich für Neuwahlen bereitzuhalten.

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