Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Spass beim Lesen.

Berlusconi und Salvini – bald ein Team?

Der Mailänder Rechtspopulist Matteo Salvini ist der starke Mann des Landes. Den Weg bereitet hat ihm ein anderer Mailänder Populist: Ex-Premier Silvio Berlusconi. Vielleicht werden die beiden ungleichen Volkstribune schon bald zusammen regieren.
Dominik Straub, Rom
Silvio Berlusconi (links) geht bei einem Wahlkampfauftritt im Jahr 2018 Matteo Salvini zur Hand. Bild: Angelo Carconi/EPA (Rom, 1. März 2018)

Silvio Berlusconi (links) geht bei einem Wahlkampfauftritt im Jahr 2018 Matteo Salvini zur Hand. Bild: Angelo Carconi/EPA (Rom, 1. März 2018)

An Ostern hatte sich Matteo Salvini für seine Fans etwas Besonders einfallen lassen: Er posierte mit einer Maschinenpistole für ein Foto auf Facebook, und unter das Bild schrieb sein staatlich bezahlter Kommunikationsberater: «Die Europawahlen kommen näher. Sie werden sich alles Mögliche einfallen lassen, um den Capitano zu stoppen und ihn mit Dreck zu bewerfen. Aber wir sind bewaffnet und haben Helme auf!»

Mit «sie» – also den Feinden des «Capitano» Salvini – waren wie immer «die da oben» gemeint: die Eliten, die Abgehobenen, die Kaviar-Linken, die Gutmenschen, die Medien mit ihren Fake-News. Salvinis Feindbilder sind identisch mit jenen der anderen Rechtspopulisten Europas. Auch die Sündenböcke für alles, was nicht gut läuft im Land, sind die gleichen: die Migranten, die Brüsseler Bürokraten, die Hochfinanz und die Ratingagenturen. Salvini hat ein klar umrissenes Programm – und biedert sich ungeniert bei den italienischen Neofaschisten an und verbrüdert sich öffentlich mit vorbestraften Hooligans der rechtsextremen Fankurve des AC Milan.

Nutella und Tomaten-Spaghetti

Gleichzeitig gibt sich der Lega-Chef, Innenminister und Vizepremier volksnah und hemdsärmelig: Er postet Selfies, auf denen er zu sehen ist, wie er zum Frühstück Nutella-Brote oder am Abend einfache Tomaten-Spaghetti vertilgt. «Mein Erfolgsgeheimnis ist die Normalität», sagte er einmal. Und er stehe für «gesunden Menschenverstand»: Mit der Schliessung der Häfen wolle er einfach «wieder etwas Ordnung bei der Einwanderung schaffen». Unter den gesunden Menschenverstand fällt auch ein neues Gesetz, das es den Bürgern und Geschäftsinhabern ab nun erlaubt, Einbrecher und Räuber straflos zu erschiessen, notfalls auch von hinten. «Dann wählen die Gauner in ihrem nächsten Leben vielleicht einen ehrlichen Beruf», sagt der 46-jährige Mailänder.

Der Populist Salvini ist in die Fussstapfen eines anderen Populisten aus Mailand getreten, der Italien fast zwei Jahrzehnte lang mit seinen Eskapaden, Strafprozessen und Sexaffären in Atem gehalten hatte: Silvio Berlusconi. Der heute 82-jährige TV-Tycoon redete den Leuten wie Salvini nach dem Mund, und wie der Lega-Chef versprach er völlig unrealistische Steuersenkungen. Und weil auch Berlusconi Koalitionspartner benötigte und zum Regieren auf die fremdenfeindliche Lega Nord von Umberto Bossi und auf die Postfaschisten von Gianfranco Fini angewiesen war, polterte auch er gelegentlich gegen Migranten und nannte Mussolini einen «gutmütigen Diktator, der seine Gegner ins Exil in die Ferien geschickt» habe.

Aber: Mit einer Maschinenpistole und einer drohenden Botschaft an die politischen Gegner hätte Berlusconi nie posiert. Dazu fehlte es ihm schlicht an Aggressivität. Der Unternehmer spielte sich zwar als Bollwerk gegen die «Kommunisten» auf. Aber Silvio Berlusconis war im Grunde unpolitisch, sein Programm hiess Silvio Berlusconi. Im Unterschied zu Salvini hatte er es nie nötig, pausenlos gegen Migranten und politische Gegner zu hetzen. Letztlich wollte Berlusconi von allen geliebt werden – ganz im Unterschied zu Salvini, der das Land bewusst spaltet. Die wichtigste Wählergruppe des Cavaliere waren die Hausfrauen – Salvinis Wähler dagegen sind die italienischen Wutbürger und Globalisierungsverlierer, deren Ressentiments jeden Tag mit neuen Hassbotschaften geschürt werden müssen.

Berlusconis Motivation, in die Politik einzusteigen, war eine persönliche gewesen: Der mehrfach angeklagte und später wegen Steuerbetrugs verurteilte Medienunternehmer musste Premier werden, um mit massgeschneiderten Gesetzen seine Haut retten zu können. «Wäre Silvio nicht in die Politik gegangen, würden wir heute unter einer Brücke leben», hatte sein engster Vertrauter, Fedele Confalonieri, einmal gesagt. Berlusconi war schrill und hat der italienischen Demokratie und ihren Institutionen grossen Schaden zugefügt. Aber trotz seiner Skandale und seiner Vorliebe für sexistische Witze hat sich der Cavaliere immer einen Rest staatsmännischen Auftretens bewahrt. «Im Vergleich zu Salvini erscheint Berlusconi heute wie ein Aden­auer oder ein De Gaulle», schrieb unlängst die linksliberale «La Repubblica» ironisch.

Persönliche Differenzen

Angesichts der grossen politischen und charakterlichen Un­terschiede vermag nicht zu verwundern, dass sich die beiden Mailänder Populisten nicht besonders mögen: Berlusconi ist in den Augen Salvinis Teil des verhassten Establishments, das Italien zugrunde gerichtet habe, während der Selfmademan und Unternehmer im fast vierzig Jahre jüngeren Lega-Chef einen typischen Vertreter der von ihm immer verachteten Berufspolitiker erkennt, «der in seinem Leben noch nie einer richtigen Arbeit nachgegangen ist».

Berlusconis alter Traum

Aber in der Politik muss man sich nicht mögen – es reicht, wenn man sich gegenseitig nützt. Und so ist es gut möglich, dass die ungleichen Volkstribune in wenigen Wochen gemeinsam Italien regieren werden: Salvini will unbedingt Regierungschef werden, und Berlusconi könnte dabei als sein Steigbügelhalter dienen. Falls die Lega bei den Europawahlen Ende massiv zulegen wird und gleichzeitig der bisherige Regierungspartner, die Fünf-Sterne-Protestbewegung, eine Abfuhr erleidet, könnte Salvini versucht sein, der eigenen Regierung den «Stecker zu ziehen». Bei anschliessenden Neuwahlen würde die Lega mit hoher Wahrscheinlichkeit zur stärksten Partei und könnte zusammen mit Berlusconis Forza Italia und den postfaschistischen Brüdern Italiens von Giorgia Meloni eine neue Rechts-Regierung bilden.

Auch Berlusconi, nach seiner Verurteilung als Steuerbetrüger mit einem langjährigen Ämterverbot gedemütigt und inzwischen wieder rehabilitiert, hegt noch einen alten Traum: Er möchte Staatspräsident Italiens werden. Bei der Wahl eines Nachfolgers von Amtsinhaber Sergio Mattarella im Februar 2022, munkelt man in Rom, könnte sich Salvini, dank Berlusconi Regierungschef geworden, beim Cavaliere erkenntlich zeigen. Salvini als Premier und Berlusconi als Staatspräsident: eine bizarre, aber nicht auszuschliessende Perspektive für Italien.

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.