Benedikt besucht den Petersdom

Das erste Konsistorium von Papst Franziskus war zugleich das erste mit zwei Päpsten: Zur grossen Messe im Petersdom, an welcher 19 neue Kardinäle ernannt wurden, erschien auch Papst Benedikt.

Dominik Straub
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Papst Franziskus begrüsst seinen Vorgänger Papst Benedikt. (Bild: epa)

Papst Franziskus begrüsst seinen Vorgänger Papst Benedikt. (Bild: epa)

ROM. Papst Franziskus hatte seinen Vorgänger persönlich zum Konsistorium eingeladen, dies aber niemandem gesagt. Und so war unter den Kardinälen die Überraschung gross, als am Samstag im Petersdom auch Benedikt erschien, in einem weissen Gewand, wie es sich für einen emeritierten Papst gehört. Bei der Begrüssung durch Franziskus zog Benedikt seine ebenfalls weisse Kopfbedeckung – als «Zeichen des Respekts und der Demut», wie Kardinalstaatssekretär Pietro Parolin später erklärte. Danach setzte sich der frühere Papst zu den Kardinälen auf einen einfachen Stuhl und verfolgte die Messe.

Erster Auftritt seit Rücktritt

Die Teilnahme am Konsistorium war der erste öffentliche Auftritt Joseph Ratzingers seit seinem Rückzug ins vatikanische Kloster Mater Ecclesiae, wo er «vor der Welt verborgen leben» wollte. Ein Jahr nach Benedikts Rücktritt als Papst könne sein Erscheinen im Petersdom als «Rückkehr zur Normalität» gewertet werden, schrieb die «Stampa». Sogar eine gemeinsam zelebrierte Messe der zwei Päpste ist nun denkbar, zum Beispiel bei der Heiligsprechung von Johannes Paul II. und Johannes XXIII. am 27. April.

19 neue Purpur-Träger

Benedikts Anwesenheit am Konsistorium war aber auch eine Hommage an den Präfekten der Glaubenskongregation, Erzbischof Gerhard Ludwig Müller. Er erhielt am Samstag ebenfalls das Kardinalspurpur. Müller war noch von Ratzinger zum Glaubenswächter der katholischen Kirche ernannt worden. Neben dem Deutschen hat Franziskus am Samstag 18 weitere Kardinäle ernannt. Viele von ihnen stammen aus der «Peripherie der Welt», die Ernennungen widerspiegeln die Absicht des neuen Papstes, den armen Ländern aus dem Süden innerhalb der Kirche mehr Gewicht zu geben. Ins Beratergremium des Papstes dazugestossen ist etwa ein Vertreter aus Haiti, einer aus Burkina Faso, einer von den Philippinen, einer aus Nicaragua.

Besonders gestärkt hat der Argentinier, nicht ganz unerwartet, die Fraktion aus Süd- und Mittelamerika. Somit verfügen unter den wahlberechtigten Kardinälen die Europäer erstmals nicht mehr über die absolute Mehrheit.

Leichtere Auflösung der Ehe

Die Kardinalsversammlungen hatten schon am Donnerstag begonnen. An einem ausserordentlichen Konsistorium hatten die Purpurträger zusammen mit Franziskus die Kurienreform diskutiert; anschliessend widmeten sich die Kardinäle der sogenannten Familienpastoral, der Seelsorge für Eheleute.

Das zentrale Thema war der Umgang mit den wiederverheirateten Geschiedenen, die nach kirchlichem Recht von der Eucharistie ausgeschlossen sind. Dies wird in vielen Gemeinden als nicht länger vertretbar angesehen. Eine Änderung des Kirchenrechts in dieser Frage scheint unter Franziskus ausgeschlossen. Der neue Papst strebt aber eine weniger strenge, eine «barmherzige» Handhabung an. Als mögliche Lösung steht dem Vernehmen nach eine leichtere Auflösung der Ehe durch das Kirchengericht im Vordergrund. Entscheide sind aber noch nicht gefallen; das Thema soll an der Bischofssynode im Herbst weiter diskutiert werden.

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