Belgier verdächtigt Rebellen

Der belgische Wissenschafter und Schriftsteller Pierre Piccinin war bis zu seiner Entführung «ein entschiedener Anhänger der syrischen Rebellen». Sechsmal reiste er nach Syrien, schrieb Bücher und Essays über den Widerstand der Aufständischen, die den Belgier im April dieses Jahres entführten.

Merken
Drucken
Teilen

Der belgische Wissenschafter und Schriftsteller Pierre Piccinin war bis zu seiner Entführung «ein entschiedener Anhänger der syrischen Rebellen». Sechsmal reiste er nach Syrien, schrieb Bücher und Essays über den Widerstand der Aufständischen, die den Belgier im April dieses Jahres entführten.

Gespräche heimlich belauscht

Am vergangenen Wochenende wurde Piccinin zusammen mit dem ebenfalls verschleppten italienischen Journalisten Domenico Quirico vermutlich gegen eine hohe Lösegeldzahlung freigelassen. Trotz Folter, Drohungen, täglichen Schlägen und zwei inszenierten Hinrichtungen fühle er sich einigermassen wohl, sagte Piccinin dem belgischen Radiosender «Bel RTL». Vom Giftgas-Massaker bei Damaskus hatten Piccinin und Quirico, der für «La Stampa» arbeitet, erst nach ihrer Freilassung erfahren. Die beiden Ex-Geiseln wollen während ihrer Geiselhaft ein Gespräch ihrer Peiniger belauscht haben. Darin hätten Rebellen eingestanden, mit dem Einsatz von Giftgas den Westen dazu zwingen, in Syrien militärisch zu intervenieren.

Die Banditen bleiben

«Ich bin mir sicher, alles richtig verstanden zu haben. Und das tat mir weh, weil ich die Rebellen einmal unterstützt habe», sagte Piccinin. Quirico, der das Gespräch ebenfalls belauschte, erklärte dagegen: «Es ist mir unmöglich, zu sagen, ob diese Unterhaltung auf Tatsachen oder Gerüchte gestützt war.» Als Lauscher an der Wand wolle er sich daher kein abschliessendes Urteil bilden. Sowohl Piccinin als auch Qurico sehen die «Freie Syrische Armee vor dem Zerfall». Die aufrichtigen Kämpfer kehrten entmutigt nach Hause. Geblieben seien «richtige Banditen». (M. Wr.)