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Beide wollen das Blatt wenden

Im US-Präsidentschaftswahlkampf beginnt die heisse Phase. Am Montag kommt es am Fernsehen zum ersten direkten Schlagabtausch zwischen Hillary Clinton und Donald Trump. Und seit gestern wird bereits gewählt.
Urs Bader

Die Ausgangslage könnte spannender nicht sein, wenn Hillary Clinton und Donald Trump am Montag zum ersten TV-Duell antreten. Es könnte eine Vorentscheidung bringen. Beide müssen deshalb gewinnen. Clinton ist in den vergangenen zwei Wochen in die Defensive geraten, Trump hat den Durchbruch aber nicht geschafft. Sie muss den Abwärtstrend in Umfragen stoppen, er will endlich an die Spitze.

Clinton hat sich die Baisse selbst eingebrockt. Dass sie die Hälfte von Trumps Anhängerschaft einen «erbärmlichen Haufen» nannte, ist bei vielen nicht gut angekommen. Ebenso wenig, dass sie ihre Lungenentzündung zunächst verheimlichte und der Öffentlichkeit etwas vorzuspielen versuchte. Das verstärkte den Eindruck, der ihr ohnehin anhängt, sie könne nicht ehrlich sein. Schliesslich blieb Clinton nach dem Bombenanschlag von New York einigermassen sprachlos. Trump dagegen nutzte die Chance, erneut ein düsteres Bild der Sicherheitslage der USA zu zeichnen und mehr Härte zu fordern. Wenige Tage nach dem Gedenktag für die Opfer des Terrors vom 11. September 2001 gegen die USA verfingen solche Forderungen. Im Übrigen hat sich Trump in jüngster Zeit mit verbalen Ausfällen zurückgehalten. Dafür verantwortlich soll Kellyanne Conway sein, eine neue Wahlkampfmanagerin, die ihn dazu gebracht habe, Reden vermehrt abzulesen.

Erfahrung gegen Unberechenbarkeit

Landesweit liegt Clinton in Umfragen weiter knapp vorn; im Durchschnitt mehrerer Umfragewerte im Verhältnis von 46 zu 43 Prozent. Landesweite Werte können aber nur einen Eindruck geben von der allgemeinen Popularität. Entscheidend sind die Werte vor allem in den sogenannten Swing-States, die anders als die meisten Staaten nicht schon auf eine Partei festgelegt sind. Dazu gehören etwa Florida und Staaten im einst blühenden Industriegürtel im Nordosten der USA, dem Rostgürtel, wie Pennsylvania, Virginia, Wisconsin. In diesen Staaten ist die Lage unübersichtlich. In den meisten liegt Clinton noch vorn, aber oft nur noch hauchdünn.

Clinton hofft, in der TV-Debatte das Blatt wieder wenden zu können, und setzt auf ihre Erfahrung in solchen Veranstaltungen. Laut «New York Times» hat sie sich auf Montag akribisch vorbereitet. Mehrere Stunden habe sie in Probedebatten geübt. Trump soll darauf verzichtet haben. «Ich glaube, man kann sich auf diese Sachen auch zu intensiv vorbereiten. Das kann gefährlich sein», sagte er in einem Interview. Sein Handicap sind aber eindeutig seine Wissenslücken, seine Lügen und seine Veranlagung, die Kontrolle über sein Auftreten zu verlieren. Trump soll jedenfalls gefordert haben, dass während der Fernsehdebatte auf einen Fakten-check verzichtet werde. Clinton wird möglicherweise versuchen, ihn mit Fachwissen in Verlegenheit zu bringen und ihn zu verbalen Ausfällen zu provozieren. Trump umgekehrt könnte versuchen, Clintons Glaubwürdigkeit weiter zu demontieren und sie in die Ecke des politischen Establishments zu drängen.

Ein Libertärer und eine Grüne als Spielverderber

Beide Kandidaten haben freilich das Problem, unbeliebt zu sein, ja von vielen Amerikanerinnen und Amerikanern geradezu verachtet zu werden. Beide stehen beispielsweise im Ruch, von ihnen gegründete Stiftungen für private Zwecke und Interessen missbraucht zu haben.

Diese Ausgangslage bringt zwei alternativen Kandidaten relativ hohe Umfragewerte. Der Libertäre Gary Johnson kommt zurzeit auf sechs bis zwölf Prozent. Haushaltpolitisch und mit Blick auf die Verwaltung ist er wie ein Hardcore-Republikaner, gesellschaftspolitisch wie ein linker Demokrat. Wem er am Ende mehr schaden könnte – Trump oder Clinton –, ist deshalb schwierig vorauszusagen. Möglicherweise doch eher Clinton, weil sich von Johnson auch viele Junge angesprochen fühlen könnten, deren Stimmen die Demokratin dringend braucht. Ein Teil von ihnen wird freilich die Grünen-Kandidatin Jill Stein wählen, die in Umfragen im Moment auf zwei bis fünf Prozent kommt.

Nicht nur die erste TV-Debatte, sondern auch das sogenannte Early Voting machen deutlich, dass es mit der US-Präsidentschaftswahl ernst wird. Dieses Early Voting begann gestern in den Bundesstaaten Minnesota, South Dakota, Florida oder Ohio; in einem kleinen Bezirk Wisconsins läuft es schon länger. 37 Bundesstaaten und die Hauptstadt erlauben in den nächsten Wochen die frühe persönliche Stimmabgabe oder Briefwahl. Das Early Voting kann sich auf den Wahlausgang auswirken, erheben die Parteien in diesen Staaten doch eigene Umfragen.

2012 war Barack Obama laut der «New York Times» so in der Lage, früh seinen grossen Vorsprung in den wichtigen Staaten Iowa und Nevada einzuberechnen. Er zog dort sofort Personal ab und setzte es in anderen, umkämpften Staaten ein. Vom Early Voting könnte Clinton profitieren, da sie über die bessere Wahlkampforganisation als Trump verfügt.

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