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Bashar al-Assad exklusiv in der «Rundschau»

Ein «Spezial» zu Syrien versucht, den komplexen Konflikt zu erklären, und lässt auch den Diktator reden.
Isabelle Daniel/Walter Brehm
Bashar al-Assad Präsident Syriens (Bild: EPA)

Bashar al-Assad Präsident Syriens (Bild: EPA)

Syriens Machthaber Bashar al-Assad gibt derzeit eine Serie von Interviews – zumeist Medien aus «befreundeten Staaten», aber auch Journalisten aus dem Westen. Einem deutschsprachigen Medium allerdings hatte Assad seit fast acht Monaten nicht mehr Red und Antwort gestanden. Das hat sich diese Woche geändert. Das Schweizer Fernsehen SRF hat gestern Abend in der «Rundschau» ein Exklusivinterview mit dem syrischen Präsidenten ausgestrahlt. Geführt hat es der Journalist Sandro Brotz.

Assads Bedingungen für das Interview

Auch die SRF-«Rundschau» hatte nach eigenen Angaben etliche Anfragen an das Präsidialamt in Damaskus gerichtet und monatelang mit dem Konsulat und dem syrischen Informationsministerium verhandelt, bevor Assad einem Interview schliesslich zustimmte. Die syrischen Stellen formulierten allerdings strenge Bedingungen. Das Interview musst in einem bewachten Haus des Regimes stattfinden. Das Gespräch musste von Assads Kameraleuten aufgenommen werden. Zudem hatte der syrische Machthaber der Ausstrahlung nur in voller Länge, ohne SRF-Einspielungen dazu, zugestimmt. Nach der Übersetzung durch SRF wurde das Interview von syrischer Seite gegengelesen.

Interviews mit Diktatoren sind immer heikel. Journalisten und Medien müssen sich dem Vorwurf stellen, Demagogie und Propaganda eine Plattform zu bieten. So gerieten in Deutschland in den vergangenen Jahren die öffentlich-rechtlichen TV-Sender ARD und ZDF heftig in die Kritik, weil sie Interviews mit Irans damaligem Präsidenten und Holocaust-Leugner Mahmud Ahmadinejad (ZDF) und Syriens Diktator Assad (ARD) ausgestrahlt hatten. Harsch kritisiert wurde die ARD auch dafür, ein im März dieses Jahres ausgestrahltes Interview mit Assad zunächst nicht in voller Länge gezeigt zu haben.

SRF zeigte sich der Brisanz seiner Entscheidung bewusst. Trotz Konzessionen versicherte der Sender, das Interview unter Einhaltung der journalistischen Grundsätze geführt zu haben. «Selbstverständlich nimmt die <Rundschau> ihre journalistische Pflicht auch in diesem Fall wahr. Sie ordnet die gegenwärtige Lage in Syrien ein und lässt die Aussagen des syrischen Präsidenten von zwei unabhängigen Experten kommentieren», hiess es seitens SRF.

«Terroristen angreifen, das versteht sich von selbst»

Vor der Sendung machte SRF die Umstände und Bedingungen, unter denen das Assad-Interview zustande gekommen war, öffentlich. Auf seiner Homepage war ebenfalls vorab eine Einschätzung des Syrien-Experten Kurt Pelda zu Assads Antworten auf die Fragen von Sandro Brotz zu lesen. Pelda liess keinen Zweifel daran, dass Assad seinen Auftritt in der «Rundschau» – wie auch schon seine früheren Interviews mit westlichen Medien – zur Selbstinszenierung nutzte.

Im Originalton war dann Assad mit Rechtfertigungen zu hören: Die syrische Armee hat laut dem Machthaber die Verpflichtung, aufständische «Terroristen» aus der Stadt Aleppo zu vertreiben. Ziel sei es, gemäss Verfassung und Gesetzen, die Zivilisten in der Stadt zu schützen. «Wie kann man sie schützen, wenn sie unter der Kontrolle von Terroristen leben?», fragte er den Interviewer. Könne das syrische Volk etwa geschützt werden, wenn man untätig zuschaue? «Wir müssen die Terroristen angreifen, das versteht sich von selbst.» Neues war also nicht zu hören. Die selbstsichere und zynisch vorgetragene Sicht Assads auf sein gebeuteltes Land war dennoch entlarvend.

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