BARCELONA: Attentäter könnte nach Frankreich geflüchtet sein

Der Fahrer des Fahrzeugs vom Anschlag in Barcelona ist noch immer auf freiem Fuss. Derweil wurde bekannt, dass sich mindestens ein Mitglied der Terrorzelle letztes Jahr in Zürich aufgehalten hat.

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Drei Tage nach dem Attentat von Barcelona fahndet die Polizei noch nach dem Fahrer des Anschlagsfahrzeugs. Er war am Donnerstagabend weggerannt, nachdem er den Lieferwagen in die Menschenmenge auf dem Boulevard Las Ramblas in Barcelona gesteuert hatte. Dabei wurden über 100 Menschen verletzt, darunter viele Touristen aus anderen Ländern.

Ein Polizeisprecher sagte gestern, es handle es sich um den in Marokko geborenen 22-jährigen Younes Abouyaaqoub. Dessen Mutter rief ihn auf, sich zu stellen. Ein Fahndungsschwerpunkt war die Grenzregion zu Frankreich rund um Ripoll am Fuss der Pyrenäen. Es könne nicht ausgeschlossen werden, dass sich der Gesuchte ins Nachbarland abgesetzt habe, sagte der katalanische Polizeichef Josep Lluis Trapero.

Verhöre sollen morgen stattfinden

Die spanischen Ermittler gehen von zwölf Verdächtigen aus. Die vier in Katalonien festgenommenen Terrorverdächtigen sollen voraussichtlich morgen Dienstag dem zuständigen Ermittlungsrichter Fernando Andreu vorgeführt und verhört werden. Sie würden mit speziellen Polizeifahrzeugen von Barcelona aus zum nationalen Staatsgerichtshof in Madrid gebracht, berichtete die Zeitung «El País» gestern unter Berufung auf die Ermittler. Bei den Verdächtigen handle es sich um drei Marokkaner sowie um einen Mann aus der spanischen Exklave Melilla.

Nach Einschätzung der Regierung in Madrid wie auch der katalanischen Regierung wurde die hinter dem Attentat in Barcelona steckende Extremistenzelle unterdessen zerschlagen. Die Zelle wird zudem für einen Stunden später verübten Anschlag im Ferienort Cambrils an der katalanischen Küste verantwortlich gemacht. Dort wurde eine Frau mit einem Wagen tödlich verletzt, bevor Sicherheitskräfte die fünf Angreifer erschossen.

Bereits Mittwochnacht war im Ort Alcanar ein Haus durch eine Gasexplosion zerstört worden. Der Polizeisprecher sagte, es sei unklar, ob dabei ein, zwei oder drei Personen ums Leben gekommen seien. Die Ermittler gehen davon aus, dass in dem Gebäude ein oder mehrere grössere Anschläge geplant wurden. Dabei sollten Gasflaschen eingesetzt werden, von denen mindestens 120 in dem Haus gefunden wurden. Ausserdem wurden spanischen Medienberichten zufolge Spuren von Sprengstoffchemikalien entdeckt.

Unklarheit über Verbindung in die Schweiz

Gestern nahm das spanische ­Königspaar zusammen mit ­Ministerpräsident Mariano Rajoy und dem portugiesischen Regierungschef Antonio Costa in der Kathedrale Sagrada Familia an einem Gedenkgottesdienst für die Anschlagsopfer teil. Die Feier «für den Frieden» wurde vom Erzbischof von Barcelona, Juan José Omella, geleitet. Er verlas eine Botschaft von Papst Fran­ziskus, in der das Oberhaupt der ­katholischen Kirche den Betroffenen sein Beileid aussprach.

Nach einem von spanischen Medien veröffentlichten Polizeidokument waren zwei Mitglieder der Barcelona-Terrorzelle im Dezember 2016 nach Zürich gereist. Das Bundesamt für Polizei (Fedpol) in Bern geht davon aus, dass mindestens einer der Attentäter sich Ende vergangenen Jahres in der Limmatstadt aufgehalten hat.

Über die Art der Verbindung zur Schweiz lasse sich bisher noch nichts sagen, bestätigte Fedpol-Sprecherin Catherine Maret eine Meldung des «Tages-Anzeigers». Die Bedrohungslage in der Schweiz bleibe erhöht, womit sich die Lagebeurteilung des Nachrichtendienstes des Bundes (NDB) bestätige. (sda)