Baltimore – wieder ein Toter nach Polizeigewalt

BALTIMORE. Alle sind empört. Die Angehörigen Freddie Grays, die wissen wollen, warum der junge Mann sterben musste. Die Bewohner der Schwarzen-Viertel von Baltimore, die der Polizei noch nie über den Weg trauten.

Thomas Spang
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BALTIMORE. Alle sind empört. Die Angehörigen Freddie Grays, die wissen wollen, warum der junge Mann sterben musste. Die Bewohner der Schwarzen-Viertel von Baltimore, die der Polizei noch nie über den Weg trauten. Und die schwarze Bürgermeisterin Stephanie Rawlings-Blake, die mühsam versucht hatte, das angespannte Verhältnis zwischen den Bürgern und den Ordnungshütern zu verbessern.

Grund der Verfolgung unklar

Was fehlt, sind klare Antworten auf die Frage, was genau sich am 13. April zugetragen hatte, als die Polizei den 25jährigen Gray im Westen der Hafenstadt festnahm. Bisher gibt es nicht einmal einen nachvollziehbaren Grund, warum die Polizei den Schwarzen verfolgt hatte. Laut den beteiligten Polizisten rannte der Mann weg, als er den Streifenwagen sah. Dies habe die Verfolgung ausgelöst.

Zwei Strassenblöcke weiter stellten die Cops den Flüchtenden, der «ohne die Anwendung von Gewalt aufgab», so der stellvertretende Polizeichef Jerry Rodriguez. Bei der Leibesvisitation sei aber ein Springmesser in der Hosentasche Grays gefunden worden. Eine Woche später verstarb Gray im Spital an den Folgen einer Rückenmarkverletzung. Der Anwalt der Familie sagte dazu: «Die Erklärungen der Polizei sind bizarr.»

Was Geschah im Polizeiwagen?

Ein Handy-Video von Zeugen zeigt, wie ihn die Polizei in einen Transporter schleppt, während laute Schreie zu hören sind. Dazu sagte Rodriguez an einer Pressekonferenz: «Als er in den Transporter gesteckt wurde, konnte er reden. Als Mister Gray später aus dem Wagen geholt wurde, konnte er kaum noch atmen und nicht mehr sprechen.» Statt Gray sofort zu helfen, dauerte es 42 Minuten, bis die Polizei medizinische Hilfe herbeiholte. «Wir hätten wohl früher einen Notarzt rufen sollen», räumt Polizeichef Anthony Batts ein. Die sechs beteiligten Beamten sind vom Dienst suspendiert worden.