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Norwegen: Auf unmöglicher PR-Mission

Die Tourismus-Organisation investierte Millionen von Kronen dafür, dass Tom Cruise eine spektakuläre Action-Szene an einer Felswand über einem Fjord drehte. Doch nun wird Norwegen mit keinem Wort erwähnt.
Niels Anner
Ganz in der Nähe des Preikestolen wurde am 1. August der neue Film auf Grossleinwand gezeigt. (Bild: Carina Johansen/EPA; Forsand, 1. August 2018)

Ganz in der Nähe des Preikestolen wurde am 1. August der neue Film auf Grossleinwand gezeigt. (Bild: Carina Johansen/EPA; Forsand, 1. August 2018)

«Fallout» sollte der grosse Coup werden. Der neuste «Mission Impossible»-Film bringt Norwegen ganz gross auf die Leinwand – wenn auch nicht in dem Sinne, wie es die Tourismus-Manager des skandinavischen Landes geplant hatten. Vielmehr droht ein PR-Flop, denn die vierminütige Szene im Action-Streifen, die an und auf Norwegens berühmtester Sehenswürdigkeit gedreht wurde, spielt nun in der Filmstory im Himalaja.

Dort ist die von Tom Cruise gespielte Hauptperson Ethan Hunt in einer der Schlussszenen des Films in eine halsbrecherische Jagd involviert – am Preikestolen, einer Felswand, die 600 Meter über einem Fjord liegt. Doch Norwegen wird mit keinem Wort erwähnt.

Visit Norway hat keinen Aufwand gescheut

Die Organisation Visit Norway hatte letztes Jahr keinen Aufwand gescheut, Cruise und sein Filmteam in Westnorwegen zu begrüssen. Es war gelungen, den Star zu überzeugen, nicht nur in Paris, Grossbritannien, Neuseeland und den Vereinigten Arabischen Emiraten zu drehen, sondern eben auch in Norwegen. Dort, wo das Land alles hat, was Touristen an ihm lieben: tiefe Fjorde, gletscherbedeckte Berge mit Aussicht aufs Meer – und Felsformationen wie die Trolltunga oder den Preikestolen («Predigerstuhl»).

Das frei liegende, nur zu Fuss erreichbare Felsplateau zieht mit seiner atemberaubenden Aussicht jedes Jahr fast 300 000 Besucher an, Tendenz steigend. Der Ansturm wurde bereits so gross, dass wegen Selfie-Versuchen und Gedränge gefährliche Situationen entstanden. Bei schlechtem Wetter kommen die lokalen Bergretter regelmässig an den Anschlag.

Nichtsdestotrotz will die Region die Zahl der Touristen weiter nach oben schrauben. Und eine Szene in «Mission Impossible» ist da beste Werbung, denn gerade junge Leute und natürlich Filmfans lassen sich laut Untersuchungen von der beeindruckenden Szenerie für ihre Ferienpläne inspirieren. Island war das Vorbild: Auf der Atlantikinsel gedrehte Streifen wie «Tomb Raider», «Star Trek» oder «Game of Thrones» trugen zu einem Tourismus-Boom bei. Für Norwegen war der Animationsfilm «Frozen» wichtig, dessen Landschaft dem Geirangerfjord nachempfunden ist. Matt Damons «Downsizing» wurde in den Fjorden gedreht, während der Preikestolen für «Star Wars» im Gespräch war.

Tom Cruise und sein Team mussten im November natürlich nicht wie alle anderen vier Stunden wandern, um auf das Felsplateau zu gelangen. Für sie wurden Dutzende Helikopterflüge genehmigt und die Sehenswürdigkeit gesperrt. Zudem bezahlte das norwegische Filmförderungsprogramm der Produktionsfirma von Cruise umgerechnet 750 000 Franken an Steuergeldern; ein Modell, das Norwegen von Island kopiert hat.

Doch nun steigen die Ausgaben noch an: Denn als an der Vorpremiere plötzlich klar wurde, dass Norwegen in «Mission Impossible» nicht Teil der Story ist, waren Enttäuschung, Befürchtungen – und von mancher Seite auch Spott – gross. Alles eine Fehlinvestition? Jedenfalls griffen neben Visit Norway auch die Organisation Fjord Norge und lokale Interessengruppen in die Taschen und finanzierten eine PR-Reise für Journalisten grosser internationaler Medien. Diesen wurde die Region gezeigt – und eingetrichtert, dass der Preikestolen sich also nicht im Himalaja befände. Ausserdem konnten sie zusammen mit 1800 Filmfans die Premiere von «Mission Impossible» in luftiger Höhe auf dem Felsplateau anschauen. «Verzweifelt» wirke das, meinten Kritiker.

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