Plagiat

Auch die FDP plagt eine Plagiatsaffäre

Nach dem früheren deutschen Verteidigungs- Dissertation minister Karl-Theodor zu Guttenberg ist auch die FDP- Politikerin Silvana Koch-Mehrin ins Visier von Plagiatsjägern geraten.

Dagmar Heuberger
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Silvana Koch-Mehrin. keystone

Silvana Koch-Mehrin. keystone

Als wären die deutschen Liberalen nicht schon genug gebeutelt: Nach den Wahlniederlagen und dem Rücktritt ihres Parteichefs Guido Westerwelle plagt die FDP nun auch eine Plagiatsaffäre. Ihre Europa-Abgeordnete Silvana Koch-Mehrin soll bei ihrer Doktorarbeit abgeschrieben haben. Die Internetseite «Vroniplag» listete bis gestern 41 Stellen in der 225 Seiten starken Dissertation auf, die die FDP-Frau vermutlich abgekupfert hat. «Vroniplag» war ursprünglich zur Prüfung der Dissertation von Veronica Sass, der Tochter Edmund Stoibers, aufgeschaltet worden.

Die 40-jährige Koch-Mehrin gilt innerhalb der männerdominierten FDP als eine der wenigen erfolgreichen Frauen und mithin als Hoffnungsträgerin. Sie war 2004 ins Europaparlament gewählt worden und ist heute eine der 14 Vizepräsidenten. Ausserdem gehört sie dem Bundesvorstand der deutschen Liberalen an.

Doktorarbeit in Heidelberg eingreicht

Ganz unumstritten ist Koch-Mehrin in der FDP allerdings nicht. So wurde ihr vorgeworfen, an den Sitzungen des Europaparlaments wenig präsent zu sein. Unbeliebt machte sie sich auch, als sie sich jüngst entgegen der Parteilinie für die Einführung einer Frauenquote von 30 Prozent in deutschen Verwaltungsräten starkmachte.

Die Dissertation der FDP-Politikerin trägt den Titel «Historische Währungsunion zwischen Wirtschaft und Politik». Es geht darin um die Lateinische Münzunion (1865 bis 1927) und deren Bedeutung für die Europäische Währungsunion. Koch-Mehrin hatte ihre Doktorarbeit im Jahr 2000 an der Philosophischen Fakultät der Universität Heidelberg eingereicht. Die Universität überprüft nun die Dissertation. Und die Staatsanwaltschaft Heidelberg klärt ab, ob die Plagiatsvorwürfe «möglicherweise strafrechtlich relevant» sind.

Schweizer Historiker nicht zitiert

Koch-Mehrin hat sich bislang nicht zu den Anschuldigungen geäussert. Ganz so schlimm wie im Fall Guttenberg sind ihre Verfehlungen womöglich nicht. Bei den abgekupferten Stellen handelt es sich nämlich vorwiegend um Fakten und Passagen aus Handbüchern, die freilich wissenschaftlich nicht korrekt zitiert wurden. Eine dieser Passagen stammt von einem Schweizer Historiker, dem 2004 verstorbenen Rudolf von Albertini: Auf Seite 15 ihrer Dissertation zitiert Koch-Mehrin aus einem Beitrag, den der Zürcher Historiker für das 1973 erschienene «Handbuch der europäischen Geschichte» verfasst hatte. Ein Quellennachweis fehlt freilich.