Auch das Labor Spiez darf stolz sein

«Das ist eine wunderbare Sache», sagt Marc Cadisch, Leiter des Labors Spiez, des schweizerischen Fachinstituts für den Schutz vor atomaren, biologischen und chemischen Bedrohungen und Gefahren.

Marina Winder
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«Das ist eine wunderbare Sache», sagt Marc Cadisch, Leiter des Labors Spiez, des schweizerischen Fachinstituts für den Schutz vor atomaren, biologischen und chemischen Bedrohungen und Gefahren. Er und sein Team freuten sich gestern sehr über die Verleihung des Nobelpreises an die Organisation für das Verbot chemischer Waffen (OPCW). «Die OPCW ist wenig bekannt, obwohl sie eine sicherheitspolitische Erfolgsgeschichte darstellt. Es wäre gut, wenn wir auch im Nuklearbereich ihrem Beispiel folgen würden.»

Cadisch und seine Leute haben guten Grund, sich über die Preisverleihung zu freuen. Denn zum Erfolg der OPCW haben sie massgeblich beigetragen. Das Labor Spiez ist dem Bundesamt für Bevölkerungsschutz angegliedert und ist eines der weltweit 21 Vertrauenslabors der Organisation. Das heisst, wenn die OPCW Proben analysieren lassen will, schickt sie diese an mindestens zwei dieser Labors. Im Fall des vermuteten Chemiewaffeneinsatzes in Syrien war Spiez eines von vier Labors. Schon vor der Umsetzung der Chemiewaffenkonvention vor 15 Jahren brachte das Labor Spiez sein technisch-wissenschaftliches Know-how in die Verhandlungen mit ein.

Auf Kampfwaffen spezialisiert

Spiez ist auf chemische Kampfwaffen spezialisiert. Es gilt als eines der renommiertesten Labors der Welt. Für die OPCW hat es auch deshalb eine besondere Bedeutung, weil das Labor wegen der Schweizer Neutralität als weitgehend unbefangen gilt. Das war auch im Fall von Syrien ein wichtiger Grund für die Wahl des Schweizer Labors.

Wie Cadisch sagt, wurden in Spiez auch Inspektoren für die OPCW ausgebildet. Selber schickt Spiez jedoch keine Kontrolleure in Krisengebiete. «Das war vor der Gründung der OPCW anders. Damals, zum Beispiel während des Irak-Kriegs, stellten die Länder, sprich deren Labors die Kontrolleure.»

Einige Messungen können die Kontrolleure vor Ort vornehmen, für tiefergehende Analysen geben sie die Proben den hochspezialisierten Labors ab. Oft finden die Spezialisten die chemischen Kampfstoffe nicht in reiner Form vor. Sie suchen deshalb auch nach Spuren wie beispielsweise Zersetzungsprodukten. Diese lassen sich in Analysegeräten, die Spektren erzeugen, nachweisen. Spektren haben eine ähnliche Funktion wie die Fingerabdrücke zur Identifikation eines Menschen: Sie erlauben Rückschlüsse auf die chemischen Strukturen. Die Chemiker untersuchen das Material nach diesen Spektren und schliessen aufgrund von ihnen auf gewisse Kampfstoffe. Etwa zwei Drittel der Spektren in der OPCW-Datenbank stammt aus Spiez.

Die Suche nach den Giftstoffen kann sehr schwierig sein. «Im Grunde genommen untersuchen wir Dreck mit Tausenden von Substanzen», sagt Cadisch. Im Fall von Syrien sei es aber einfach gewesen: «Da hatten wir den konkreten Auftrag, nach dem Nervengas Sarin zu suchen.»

Chemiker unter grossem Druck

Das Labor in Spiez leistete einen grossen Effort: Sechs Spezialisten arbeiteten während über zweier Wochen fast rund um die Uhr, die Geräte liefen auf Hochdruck. Auf Cadischs Team lastete ein grosser Druck: Zum einen verlangte die UNO schnellstmöglich nach dem Bericht, zum anderen wussten sie, dass militärische Angriffe von ihren Ergebnissen abhingen. «Wir wenden deshalb stets zwei Methoden zur Gegenkontrolle an und geben die Resultate erst bekannt, wenn wir absolut sicher sind.» Nach 1000 Arbeitsstunden standen die Ergebnisse für Syrien fest. Den Bericht holten OPCW-Leute persönlich ab, auch die Proben hatten sie persönlich und mit einem Siegel versehen geliefert.

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