Auch dänische Zeitung im Visier der Extremisten

Der Anschlag in Frankreich lässt in Dänemark böse Erinnerungen an die Mohammed-Karikaturenkrise von 2006 aufkommen. Nach dem Anschlag auf «Charlie Hebdo» erhöhte die dänische Zeitung Jyllands-Posten ihre Sicherheitsvorkehrungen.

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Ein Islamist köpft den Propheten: Eine der Karikaturen, die Moslems erzürnte. (Bild: pd)

Ein Islamist köpft den Propheten: Eine der Karikaturen, die Moslems erzürnte. (Bild: pd)

Der Anschlag in Frankreich lässt in Dänemark böse Erinnerungen an die Mohammed-Karikaturenkrise von 2006 aufkommen. Nach dem Anschlag auf «Charlie Hebdo» erhöhte die dänische Zeitung Jyllands-Posten ihre Sicherheitsvorkehrungen. Im Herbst 2005 hatte die konservative Tageszeitung unter dem Titel «Das Gesicht Mohammeds» zwölf Karikaturen des Propheten veröffentlicht. Der damalige Regierungschef Anders Fogh Rasmussen hatte sich zunächst geweigert, eine Entschuldigung auszusprechen und verwies auf die Pressefreiheit. «Die Publikation der Zeichnungen war ein Test, inwieweit die Angst vor moslemischen Vergeltungsaktionen begonnen hat, die Meinungsfreiheit einzuschränken», hatte die Redaktion damals geschrieben.

Anschlagsversuch auf Karikaturisten

Dann explodierte die Stimmung Anfang 2006. In vielen moslemischen Ländern skandierten Gläubige «Krieg gegen Dänemark» und «Tod den Dänen». Dänische Vertretungen wurden angegriffen, es gab 150 Tote. Warenboykotts wurden gegen Dänemark ausgesprochen und gegen die 500 Mann starke dänische Truppe in Irak wurde eine Fatwa ausgesprochen, was einem Todesurteil gleichkam. Die Hauptgebäude der Zeitung in Aarhus mussten damals in einen Hochsicherheitstrakt umgewandelt werden. Ihr Büro in Kopenhagen entging Ende 2010 nur knapp einem Anschlag. Nach Angaben des dänischen Geheimdienstes wurden verdächtige Islamisten kurz vor der Ausübung festgenommen. «Sie wollten viele der dort arbeitenden Menschen töten», sagte Geheimdienstchef Jakob Scharf damals. 2009 hatten US-Geheimdienste einen noch viel weiter gehenden Plan enthüllt. Mit einem Lastwagen voll Bomben wollten Fanatiker die Aarhuser Zentrale von «Jyllands-Posten» sprengen.

Erst im Mai 2010 entging der bekannteste Mohammed-Karikaturist Kurt Westergaard nur ganz knapp einem Mordanschlag durch einen somalischen Extremisten. Westergaard konnte sich in sein von der Polizei in einen schuss- und einbruchsicheren Panikraum umgebautes Badezimmer retten und die Polizei alarmieren. Er hatte den Propheten Mohammed mit einem Turban mit einer Bombe gezeichnet. (aa)

Legende (Bild: ap)

Legende (Bild: ap)

Nach dem Anschlag kontrollieren Sicherheitskräfte exponierte Stellen in Paris. (Bild: ap/Christophe Ena)

Nach dem Anschlag kontrollieren Sicherheitskräfte exponierte Stellen in Paris. (Bild: ap/Christophe Ena)

Ambulanzfahrzeuge vor dem Redaktionsgebäude in der Rue Nicolas Appert. (Bild: ap/François Mori)

Ambulanzfahrzeuge vor dem Redaktionsgebäude in der Rue Nicolas Appert. (Bild: ap/François Mori)

Weltweite Solidarität: Kerzen für die getöteten Journalisten auf einem Platz in Genf. (Bild: ky/Martial Trezzini)

Weltweite Solidarität: Kerzen für die getöteten Journalisten auf einem Platz in Genf. (Bild: ky/Martial Trezzini)