Attentäter war nicht registriert

Vieles aus dem Leben von Mohamed Lahouaiej Bouhlel ist bereits bekannt – abgesehen von der Frage, aus welchem Grund er am Donnerstagabend zu seiner Amokfahrt gestartet war. Der 31jährige Tunesier stammte aus dem Ort Msaken etwa zehn Kilometer vom Badeort Sousse entfernt.

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Vieles aus dem Leben von Mohamed Lahouaiej Bouhlel ist bereits bekannt – abgesehen von der Frage, aus welchem Grund er am Donnerstagabend zu seiner Amokfahrt gestartet war. Der 31jährige Tunesier stammte aus dem Ort Msaken etwa zehn Kilometer vom Badeort Sousse entfernt. Er lebte in Frankreich mit einer gültigen Aufenthaltsbewilligung. Seit einiger Zeit wohnte er mit seiner Frau und drei Kindern in einer Wohnung im Nordosten von Nizza. Dort war er als Auslieferungchauffeur tätig.

Dem Geheimdienst unbekannt

Beim französischen Geheimdienst war Bouhlel anscheinend nicht registriert. Er figurierte auch nicht in der so genannten S-Kartei, die islamistische und andere Radikale auflistet. Hingegen war der Mann der lokalen Polizei wegen mehrerer Delikte bekannt. Meist war Gewalt im Spiel: Bouhlel war schon wegen Diebstahls, illegalen Waffenbesitzes, Bedrohung und ehelicher Gewalt verurteilt worden. Im März dieses Jahres erhielt er zudem eine bedingte Gefängnisstrafe, weil er bei einem Autounfall offenbar den Kopf verloren und eine Holzpalette auf einen anderen Fahrer geworfen hatte. Vor dieser Verurteilung war er zwei Monate unter Justizaufsicht gewesen – aber eben ohne Mitteilung an die Nachrichtendienste.

Nachbarn schilderten Bouhlel gestern Freitag als einen Mann, der «am Ende seiner Kräfte» und entsprechend aggressiv gewesen sei. Der Attentäter befand sich in der Scheidung und musste seiner Gattin offenbar bereits hohe Alimente zahlen. Er sei «deprimiert und finanziell erdrückt» gewesen, meinte ein Bekannter auf dem Radiosender France-Info.

Terroristische Vorgehensweise

Staatsanwalt François Molins gab gestern abend bekannt, dass die Ermittlung nicht nur auf Mord gehe, sondern auch das Handeln «im Zusammenhang mit einer terroristischen Unternehmung» einschliesse. Auch wenn kein Bekennerschreiben vorliege, folge das Vorgehen Bouhlels genau den – aus Videos und Zeitschriften bekannten – Anweisungen terroristischer Drahtzieher wie der IS-Milizen. Auch Präsident Hollande spricht von einem «Terroranschlag». (brä)