Attentäter von Paris identifiziert

Drei Täter des Terroranschlags auf das Satiremagazin «Charlie Hebdo» in Paris sind laut französischen Medienberichten noch am Mittwochabend identifiziert worden. Laut Polizei hatten maskierte Attentäter die Redaktion am Vormittag gestürmt und zwölf Menschen getötet – darunter vier prominente Karikaturisten.

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Nach dem Attentat hat die Polizei eine Strassensperre errichtet - die Täter sind aber noch flüchtig. (Bild: Keystone)

Nach dem Attentat hat die Polizei eine Strassensperre errichtet - die Täter sind aber noch flüchtig. (Bild: Keystone)

Die Polizei suche unter anderem nach zwei Brüdern aus Paris mit französischer Staatsbürgerschaft; auch der dritte Täter sei identifiziert, hiess es unter Berufung auf Ermittlerkreise. Die Männer sollen 34, 32 und 18 Jahre alt sein. Berichte über Festnahmen der drei Täter dementierte das Innenministerium allerdings.

Elf Personen wurden nach Angaben von Staatsanwalt François Molins vom Mittwochabend verletzt, vier davon schwer. Die Täter, deren Fahrzeug sichergestellt wurde, konnten unerkannt fliehen.

Unter den Toten sind der Mohammed-Karikaturist und Redaktionsleiter Charb alias Stéphane Charbonnier und sein Leibwächter. Charb tauchte im Frühjahr 2013 im Internetmagazin «Inspire» von Al-Kaida auf der Arabischen Halbinsel (AQAP) auf einer «Fahndungsliste» auf. Die AQAP verübt vor allem im Jemen Anschläge.

Eine junge Frau trauert in Washington um die Opfer. (Bild: Keystone)
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Menschen in Seattle trauern um die erschossenen Personen. (Bild: Keystone)
Vor dem französischen Konsulat in San Francisco versammelten sich hunderte Menschen. (Bild: Keystone)
In San Francisco haben Menschen mit Kerzen "Je suis Charlie" geschrieben. (Bild: Keystone)
Auf der ganzen Welt gingen die Menschen für die ermordeten Journalisten und Polizisten auf die Strasse. (Bild: Keystone)
Auf dem Union Square in New York kamen ebenfalls viele Menschen zusammen. (Bild: Keystone)
Auch Karikaturisten reagierten auf den Anschlag. Hier ein Cartoon von MacLeod. (Bild: Keystone)
In New York haben die Trauernden Schilder mit den Augen der ermordeten Charlie Hebdo Mitarbeitern hochgehalten. (Bild: Keystone)
"Je suis Charlie" ist derzeit weltweit ein Thema. (Bild: Keystone)
In Paris haben viele Menschen Schreibgeräte statt Blumen abgelegt. (Bild: Keystone)
Polizisten bewachten die Redaktion von Charlie Hebdo, während im Innern die Spurensicherung arbeitet. (Bild: Keystone)
Auch in Lima gab es Kundgebungen. (Bild: Keystone)
Auf der französischen Botschaft in Tokio standen die Fahnen auf Halbmast. (Bild: Keystone)
Auf dem "Freiheitsbaum" in Paris hinterliessen die Menschen ihre Nachrichten. (Bild: Keystone)
In Rio de Janeiro hat sich eine Frau "Je suis Charlie" auf den Arm geschrieben. (Bild: Keystone)
Die Menschen zünden auf den Place de la Republique in Paris Kerzen an. (Bild: Keystone)
Der Slogan "Je suis Charlie" ging um die Welt. (Bild: Keystone)
Ein Mann in Chile mit einem "Je suis Charlie"-Schild. (Bild: Keystone)
Nach der Attacke auf die Redaktion des Satiremagazins "Charlie Hebdo" haben Menschen in Gedenken an die Opfer ein Plakat mit der Aufschrift "Je suis Charlie" sowie Kerzen aufgestellt in Paris. (Bild: Keystone)
Französische Soldaten patrouillieren am Bahnhof Montparnasse in Paris. (Bild: Keystone)
Polizisten und Rettungskräfte vor dem Redaktionsgebäude des Satiremagazins in Paris. (Bild: Keystone)
Vor der französischen Botschaft in Berlin haben Menschen Rosen hingelegt. (Bild: Keystone)
Der französische Premierminister Manuel Valls (Mitte) begab sich zum Tatort in Paris. (Bild: Keystone)
Ermittler untersuchen das mutmassliche Fluchtauto der Täter. (Bild: Keystone)
Rettungskräfte helfen einer Frau. (Bild: Keystone)
Forensiker und Polizisten sichern Spuren. (Bild: Keystone)
Ein Grossaufgebot von Polizisten und Rettungskräften am Tatort. (Bild: Keystone)
Die französischen Flaggen stehen auf Halbmast. (Bild: Keystone)
Menschen an einer Solidaritätskundgebung in Genf. (Bild: Keystone)
Vor der französischen Botschaft in Dänemark wurden Blumen und Kerzen hingelegt. (Bild: Keystone)
In der Türkei wurden die Botschaft "Je suis Charlie" sowie Blumen an einen Zaun gebunden. (Bild: Keystone)
Ein Mann entzündet eine Kerze vor der französischen Botschaft in Prag. (Bild: Keystone)
Solidaritätskundgebung vor dem Brandenburger Tor in Berlin. (Bild: Keystone)
Menschen nehmen an einer Solidaritätskundgebung in Genf teil. (Bild: Keystone)
Solidaritätskundgebung für die Attentatsopfer in Genf. (Bild: Keystone)
Menschen werden aus dem Redaktionsgebäude gebracht. (Bild: Keystone)
Polizisten riegeln eine Strasse nahe des Tatorts in Paris ab. (Bild: Keystone)
Ein Polizeibeamter nahe des Tatortes. (Bild: Keystone)
Einsatzkräfte bei der Redaktion von "Charlie Hebdo". (Bild: Keystone)
Polizeibeamte riegeln den Tatort ab. (Bild: Keystone)
Unfassbare Trauer nach dem Massaker. (Bild: Keystone)
Sicherheitskräfte beim Eiffelturm: In Paris wurde nach der Attacke die höchste Terrorwarnstufe ausgerufen. (Bild: Keystone)
Ein Verletzter wird abtransportiert. (Bild: Keystone)
Grosse Bestürzung beim Ort des Angriffs. (Bild: Keystone)
Ein bestürzter Präsident François Hollande bei seiner Ankunft am Tatort. (Bild: Keystone)
"Das Leben Mohammeds": Aufnahme der hoch umstrittenen Spezialausgabe von "Charlie Hebdo" vom Januar 2013. (Bild: Keystone)
Polizisten und Feuerwehrleute beim Tatort. (Bild: Keystone)
Die Sicherheitskräfte rückten mit einem Grossaufgebot aus. (Bild: Keystone)
Die Suche nach den Tätern, welche den Angriff ausführten, läuft auf Hochtouren. (Bild: Keystone)

Eine junge Frau trauert in Washington um die Opfer. (Bild: Keystone)



Zeugen zufolge drangen zwei schwarz vermummte Männer mit Kalaschnikows in die Redaktionsräume ein und schossen kaltblütig um sich. Die Terroristen riefen «Allah ist gross» und «Wir haben den Propheten gerächt».

«Sie sprachen perfekt Französisch», sagte die Zeichnerin Corinne Rey, die den Anschlag überlebte, der Zeitung «l'Humanité». Dabei hätten sie behauptet, zur Terrororganisation Al-Kaida zu gehören. Der Überfall habe etwa fünf Minuten gedauert; sie habe unter einem Schreibtisch Deckung gesucht.

Nach Angaben von Innenminister Bernard Cazeneuve waren drei Täter in den Angriff verwickelt. Deren Vorgehen lässt die Polizei auf professionell ausgebildete Killer schliessen.

Hollande spricht von Barbarei
Der französische Präsident François Hollande sprach von einer aussergewöhnlichen Barbarei. Zugleich rief die Regierung für Paris die höchste Terror-Warnstufe aus und erklärte den Donnerstag zum nationalen Trauertag.

Zahlreiche Staats− und Regierungschefs von Berlin über London, Rom, Washington und Moskau gaben ihrer Empörung Ausdruck und sagten Frankreich Unterstützung bei der Suche nach den Attentätern zu.
Auch UNO-Generalsekretär Ban Ki-Moon verurteilte die Tat. Bundespräsidentin Simonetta Sommaruga zeigte sich im Namen des Bundesrates erschüttert.

Islam-Autoritäten verurteilen Tat
Auch Vertreter der Muslime in Frankreich verurteilten den Anschlag. Die Täter seien kriminelle Barbaren, die ihre Seele an die Hölle verkauft hätten, sagte der Imam der Moschee von Drancy bei Paris.

Aber auch aus Kairo kamen klare Worte. «Das ist ein krimineller Akt. Der Islam lehnt Gewalttaten jeder Art ab», liessen die islamischen Gelehrten der für Sunniten − rund 90 Prozent aller Muslime − massgeblichen Al-Azhar-Universität in der ägyptischen Nachrichtenagentur Mena verlauten. Und von der Arabischen Liga hiess es: «Wir verurteilen den Terroranschlag mit Schärfe.»

Auch das Königreich Saudi-Arabien, Hüter der heiligen Stätten in Mekka, bezog Position. Der Angriff sei ein «feiger Terrorakt, der durch die Religion des Islam und alle anderen Religionen abgelehnt wird», sagte ein Sprecher des Königshauses.

Bereits 2011 war die Wochenzeitung «Charlie Hebdo» Ziel eines Brandanschlags gewesen, nachdem sie eine Abbildung des Propheten Mohammed auf ihrer Titelseite veröffentlicht hatte. Bildliche Darstellungen Mohammeds sind im Islam verboten.

Nach Angaben der Polizei hat das Wochenmagazin zahlreiche Drohungen erhalten, weswegen die Redaktion seit einiger Zeit unter ständiger Polizeibewachung gestanden habe.

Neues Buch provoziert in Frankreich
In Frankreich kam am Mittwoch das neue Buch von Michel Houellebecq mit dem Titel «Unterwerfung» («Soumission») auf den Markt. Es spielt in einem vom Islam dominierten Frankreich. Dagegen hatte es heftige Proteste von Muslimen gegeben. In der ebenfalls am Mittwoch erschienenen neuen Ausgabe von «Charlie Hebdo» wird das Buch ausführlich thematisiert.

Die Journalistenvereinigungen von 15 grossen Medien in Frankreich veröffentlichten noch am Mittwoch eine Solidaritätsbekundung. «Wir sind alle Charlie», erklärten die Medienleute. (sda)