«Attacke auf Freiheit und Demokratie»

Das Attentat auf das französische Satiremagazin «Charlie Hebdo» hat weltweit zu heftigen Reaktionen geführt. Die Attacke auf «Pressefreiheit und Demokratie» wird unisono verurteilt.

Richard Clavadetscher
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Regierungen in aller Welt haben den Terroranschlag auf «Charlie Hebdo» verurteilt – auch moslemische. Der amerikanische Präsident Barack Obama etwa bezeichnete den Anschlag als «abscheuliche Attacke»; er hat Paris die «volle Unterstützung der Vereinigten Staaten» zugesichert. Die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel nannte den Anschlag «niederträchtig», und für Grossbritanniens Premierminister David Cameron ist er schlicht «barbarisch». Auch Bundespräsidentin Simonetta Sommaruga hat sich im Namen des Bundesrates geäussert: Die Schweiz verurteile das Attentat scharf. Für Irritationen sorgte dagegen ein Tweet von Bundesrätin Doris Leuthard. Sie verurteilte das Attentat zwar ebenfalls mit deutlichen Worten, schrieb aber eingehend, Satire sei kein Freipass.

Verleger und Journalisten bestürzt

Verlegerpräsident Hanspeter Lebrument weilt zurzeit mit europäischen Verlegern in Frankfurt. Alle seien schockiert, sagte er gegenüber der Nachrichtenagentur sda. Ein solches Attentat habe grosse Wirkung und Konsequenzen, es sei «wie ein Fanal». Lebrument sieht neue Herausforderungen auf die Medien zukommen. Zum einen müsse man sich überlegen, ob die Sicherheit der Redaktionen gewährleistet sei. Zum andern werde es zunehmend schwierig für Medienschaffende, das Verhältnis zwischen einheimischer Bevölkerung und Zugewanderten mit moslemischem Hintergrund zu beschreiben.

Auch der Schweizer Journalistenverband Impressum gibt sich in einer Mitteilung «zutiefst erschüttert»: «Wir verurteilen den Angriff auf die Presse- und Meinungsäusserungsfreiheit aufs Schärfste.» Impressum rief seine Mitglieder gestern abend zu einem Trauermarsch auf dem Bundesplatz auf.

Solidarität via Twitter

Im Internet, insbesondere auf dem Kurznachrichtendienst Twitter, waren die Reaktionen auf das Attentat auf «Charlie Hebdo» gestern zahlreich.

Viele tausend Twitter-User äusserten sich im Verlaufe des Nachmittags unter #jesuischarlie und #charliehebdo. Ein Bild mit der Aufschrift «Je suis Charlie» («Ich bin Charlie») wurde als Zeichen der Solidarität mit den Machern des Satiremagazins tausendfach geteilt und so weiterverbreitet. Immer wieder waren auch Aufrufe zu lesen, nun ja nicht klein beizugeben, sondern Pressefreiheit und Demokratie zu verteidigen: «Jetzt erst recht!» Dazu der Aufruf an «Zeitungen in aller Welt», die Moslem-Karikaturen von «Charlie Hebdo» nachzudrucken.

Unbedingt nicht weiterverbreiten solle man hingegen die im Netz verfügbaren Bilder und Videos von der Hinrichtung eines französischen Polizisten vor dem Verlagsgebäude durch die Terroristen, mahnten etliche Twitter-User: «Die Terroristen wollen Bilder. Gebt sie ihnen nicht!» Ebenfalls auf dem Kurznachrichtendienst insistierten gestern Moslems, dass der Islam eine Religion des Friedens sei, die Terroristen von Paris mithin nicht wirklich Moslems im Sinne des Islams seien. Aber auch das Gegenteil war zu lesen, nämlich Kritik am Islam als Religion: «Wieder nur so ein bedauerlicher Einzelfall? Es hat in den letzten 1400 Jahren (seit Bestehen des Islams, die Red.) aber etwas gar viele Einzelfälle gegeben.»

«Bleiben wir frei!»

Auch moslemische Intellektuelle verurteilen den Anschlag scharf. Stellvertretend der deutsch-iranische Schriftsteller Navid Kermani. Er brachte es in einer Verlautbarung folgendermassen auf den Punkt: «Das ist nicht nur ein Anschlag auf eine Zeitschrift und auch nicht nur auf die Kunst. Das ist ein Anschlag auf ein Europa, das den Menschen ungeachtet ihres Geschlechts, ihres Glaubens, ihrer Herkunft, ihrer sexuellen Orientierung Würde, Freiheit und gleiche Rechte zuspricht – auch und zumal den Moslems. Tun wir, was den Tätern am meisten missfällt und den Opfern am meisten entspricht: Bleiben wir frei.»