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Atom-Boom im Nahen Osten

Vereinigte Arabische Emirate Während Nordkoreas Machthaber die Aussetzung seiner Atom- und Raketentests verkündet, erlebt die Atomkraft andernorts ­einen regelrechten Boom: In der arabischen Welt ist der erste Atomreaktor zur Stromproduktion fertig. Er werde demnächst ans Netz gehen, verkündeten die Vereinigten Arabischen Emirate (VAE). Kronprinz Mohammed bin Zayed sprach von einer «historischen Errungenschaft», als er kürzlich die 20-Milliarden-Baustelle Barakah mit Südkoreas Präsident Moon Jae In besuchte. Denn die vier von Südkorea gebauten Meiler machen den superreichen Golfstaat zum Atompionier der arabischen Welt.

Doch auch andere sind bereits in den Startlöchern. Und so steht der Region, die zu der instabilsten der Welt gehört, in den nächsten Jahren ein regelrechter Nuklearboom ins Haus. Saudi-Arabiens Kabinett verabschiedete Mitte März ein Konzept für 16 Anlagen. Der Iran plant eine Erweiterung von Bushehr am Persischen Golf um zwei Blöcke. Jordanien und Ägypten bestellten Kernkraftwerke bei Moskaus Staatskonzern Rosatom. Auch der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan wurde kürzlich mit Wladimir Putin handelseinig.

Trumps Rückzug könnte ein Wettrüsten auslösen

Die Atomtechnik allerdings hat bekanntlich zwei Seiten. Sie kann zur Stromerzeugung, aber auch zum Bombenbau genutzt werden. Bei der Waffengefahr lag das internationale Augenmerk bisher primär auf dem Iran, der nicht nur die Urananreicherung beherrscht, sondern auch eigene Mittelstreckenraketen bauen kann. Mit dem 2015 geschlossenen Atomvertrag sollen mögliche Rüstungspläne Teherans mindestens ein Jahrzehnt lang in Schach gehalten werden. Doch Donald Trump möchte aussteigen, wahrscheinlich am 12. Mai, weil ihm das Abkommen nicht weit genug geht.

Für die Unruheregion Nahost könnte dieser Schritt ein falsches Signal setzen und gar ein atomares Wettrüsten auslösen. Einen Vorgeschmack gab bereits der saudische Kronprinz Mohammed bin Salman. Saudi-Arabien wolle keine Atombombe besitzen, versicherte er, «wenn der Iran aber eine baut, werden wir, ohne jeden Zweifel, so schnell wie möglich nachziehen».

Genauso wie die Islamische Republik besitzt auch Saudi-Arabien Uran, was sich auf ein waffenfähiges Niveau anreichern liesse, einer der beiden technischen Wege zur Bombe. Die US-Administration stürzt dies in ein Dilemma. Gegen die Firmenkonkurrenz aus China, Südkorea, Frankreich und Russland möchte Präsident Trump den saudischen Megaauftrag gerne für Westinghouse Electric an Land ziehen.

Heisser Deal mit Saudi-Arabien

Bei Vorreiter Abu Dhabi pochten die USA noch auf den sogenannten Goldstandard, also den Verzicht auf Urananreicherung und Wiederaufarbeitung, bei der Plutonium anfällt – der andere Weg zur Bombe. Die Saudis dagegen sträuben sich, auch mit Verweis auf Ankara und Kairo, gegen den regionalen Atomkunden der Russen, die keine Bedingungen stellen. Und so ist das Weisse Haus offenbar bereit, Riad die Urananreicherung zu gestatten, wenn dafür der 80-Milliarden-Auftrag an Westinghouse Electric geht.

US-Experten wie Victor Galinsky und Henry Sokolski vom amerikanischen Nonproliferation Education Center, die als die besten Kenner der globalen Atomszene gelten, warnen vor einer solchen Aufweichung. Sie verweisen vor allem auf das saudische Verhalten in der Vergangenheit. Riad habe nicht nur das Atomprogramm von Pakistan finanziert, das sich wie Indien und Israel bis heute dem internationalen Atomwaffensperrvertrag entzieht. Riad besitze auch Raketen, mit denen sich Atomsprengköpfe verschiessen lassen, argumentieren die beiden. Zudem sei Saudi-Arabien weder ein stabiler Staat noch ein gutwilliger Akteur, den Amerika verhätscheln sollte. «In Wahrheit waren die Saudis die wichtigsten Lieferanten religiös-fundamentalistischer Ideen, die die Saat des Terrorismus in der ganzen arabischen Welt verteilt haben.»

Martin Gehlen, Tunis

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