Terrorismus

Athener Polizei fand Pläne zu Brüssel-Anschlag in Islamisten-Wohnungen

Die griechische Polizei soll vergangenes Jahr in zwei Wohnungen in Athen Pläne entdeckt haben, die auf einen Terroranschlag auf dem Flughafen von Brüssel hindeuteten. Bereits damals seien die belgischen Behörden informiert worden, berichtet ein griechischer Sender.

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Im Zusammenhang mit den Anschlägen von Brüssel werden die belgischen Sicherheitsbehörden kritisiert. Sie hätten Hinweisen auf die Attentäter und Anschlagspläne zu wenig Beachtung geschenkt. (Symbolbild)

Im Zusammenhang mit den Anschlägen von Brüssel werden die belgischen Sicherheitsbehörden kritisiert. Sie hätten Hinweisen auf die Attentäter und Anschlagspläne zu wenig Beachtung geschenkt. (Symbolbild)

Keystone/AP/ALASTAIR GRANT

Der Athener Nachrichtensender Skai beruft sich am Samstag auf die griechische Polizei. Unter anderem sei eine Karte des Flughafens von Brüssel gefunden worden. Dem Bericht zufolge wurden die Unterlagen in Wohnungen von Abdelhamid Abaaoud entdeckt, der als mutmasslicher Drahtzieher der November-Anschläge von Paris gilt.

Dem Bericht zufolge wurden die Unterlagen in Wohnungen entdeckt, die von Islamisten angemietet worden waren. Nach den Anschlägen von Paris im November habe sich herausgestellt, dass es sich bei einem der Männer um Abdelhamid Abaaoud gehandelt habe, meldete der Sender. Abaaoud gilt als mutmasslicher Drahtzieher der Pariser Anschläge. Er wurde im November wenige Tage nach Terrorserie bei einem dramatischen Anti-Terror-Einsatz im Pariser Vorort Saint-Denis getötet.

Abaaoud hatte auf seinen Reisen quer durch Europa auch eine Wohnung in Athen gemietet. Die französische Polizei hatte nach seinem Tod eine DNA-Probe des 27 Jahre alten Terroristen an die griechischen Behörden übermittelt. Damals war im Zuge der Ermittlungen in einer anderen Wohnung auch ein 33-jähriger Mann festgenommen worden, den die griechischen Behörden anschliessend nach Belgien überstellten.

Nachlässiger Verbindungsoffizier

Am Freitag hatte der belgische Innenminister Jan Jambon bekanntgegeben, dass ein belgischer Polizist im türkischen Istanbul den Informationsfluss über den Attentäter Ibrahim El Bakraoui zwischen beiden Ländern verschleppt hat.

Der Verbindungsbeamte habe "mindestens nachlässig und weder sehr proaktiv noch sehr engagiert" gehandelt, als die türkischen Behörden Angaben zu El Bakraoui gemacht hätten, sagte Jambon am Freitag vor Parlamentariern. Der Mann habe "einen Fehler gemacht", was "inakzeptabel" sei.

Jambon gab an, El Bakraoui sei am 11. Juni im türkischen Gaziantep an der Grenze zu Syrien festgenommen worden, worüber der belgische Verbindungsbeamte in Istanbul am 26. Juni informiert worden sei. Drei Tage später habe der Polizist die Informationen nach Brüssel weitergeleitet.

Die dortige Antiterrorbehörde habe daraufhin um weitere Informationen über den in Belgien wegen kleinerer Delikte verurteilten El Bakraoui gebeten. Bis zum 20. Juli sei jedoch nichts geschehen. "Der Verbindungsoffizier hat nichts unternommen, es gab seinerseits keine Kommunikation mehr", sagte Jambon.

Erdogan wiederholt Kritik

Die Türkei hatte Belgien zuvor vorgeworfen, Warnhinweise über den des Landes verwiesenen El Bakraoui ignoriert zu haben. Am Freitag bekräftigte Staatschef Recep Tayyip Erdogan die Kritik. Die belgischen Behörden hätten "nicht das Notwendige unternommen", sagte er.

El Bakraoui und ein weiterer Selbstmordattentäter, Najim Laachraoui, hatten sich am Dienstag am Flughafen Brüssel-Zaventem in die Luft gesprengt. Rund eine Stunde später verübte El Bakraouis Bruder Khalid in einer U-Bahnstation einen Selbstmordanschlag. Insgesamt wurden mindestens 31 Menschen getötet und 300 weitere verletzt.

Belgiens Justizminister Koen Geens, der sich am Freitag ebenfalls im Parlament äusserte, hatte am Donnerstag angegeben, die Regierung sei im Sommer erst nach der Rückkehr El Bakraouis von dessen Abschiebung durch die Türkei informiert worden. Allerdings sei die belgische Botschaft im Juni über die Festnahme informiert worden.

Erdogan zufolge hatten die türkischen Behörden Belgien gewarnt, dass es sich bei dem abgeschobenen Mann um einen "ausländischen terroristischen Kämpfer" handle. Die belgischen Behörden hätten dies jedoch nicht bestätigen können und den Mann nach seiner Abschiebung freigelassen.