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Athen und Skopje unterzeichnen historische Vereinbarung

Der griechische Premier Tsipras und sein mazedonischer Amtskollege Zaev haben am Sonntag feierlich den 27 Jahre alten Namensstreit beigelegt. Doch der Widerstand gegen die neue Bezeichnung «Nord-Mazedonien» bleibt gross.
Gerd Höhler, Athen
Mazedoniens Premier Zoran Zaev (links) und sein griechischer Amtskollege Alexis Tsipras. (Nikos Arvanitidis/EPA)

Mazedoniens Premier Zoran Zaev (links) und sein griechischer Amtskollege Alexis Tsipras. (Nikos Arvanitidis/EPA)

Psarades ist ein Fischerdorf am südlichen Ufer des Prespa-Sees, in dessen Mitte die Grenzen Griechenlands, Albaniens und Mazedoniens aufeinandertreffen. Bis vor kurzem hätten die 60 Einwohner dieses Fleckens nicht gedacht, dass hier einmal Geschichte geschrieben wird.

Am Sonntag war es so weit. Aus Athen und Skopje kamen Regierungschefs und Minister, aus Brüssel EU-Kommissar Johannes Hahn sowie die EU-Aussenbeauftragte Federica Mogherini und aus New York der UNO-Sonderbeauftragte Matthew Nimetz in das malerische Provinznest, um dabei zu sein, wie Griechenland und Mazedonien den Streit um den Staatsnamen Mazedonien beilegten.

Für Nimetz war es ein be­sonderer Tag. Der US-Diplomat bemühte sich seit 25 Jahren um ­einen Kompromiss im Namensstreit. Er ist darüber alt geworden. Am Sonntag hatte Nimetz gleich zweifach Grund zur Freude: Er konnte den Erfolg seiner Bemühungen und seinen 79. Geburtstag feiern. «Ich brauche kein anderes Geschenk», sagte Nimetz.

Demonstrationen in Athen

Der jetzt gefundene Kompromiss, wonach sich das Nachbarland «Nord-Mazedonien» nennt, klingt nicht so innovativ, dass man dafür 27 Jahre verhandeln müsste. Aber der Streit war wegen seiner historischen Dimension kompliziert. Viele Griechen wehren sich dagegen, dass sich die Nachbarn das kulturelle Erbe des Hellenismus aneignen, etwa indem sie sich zu Nachfahren Alexanders des Grossen und des Philosophen Aristoteles erklärten.

Mit dem Wahlsieg des Sozialdemokraten Zoran Zaev kam vor einem Jahr Bewegung in den festgefahrenen Namensstreit. «Wir lassen die Vergangenheit zurück und blicken in die Zukunft», sagte Zaev bei der Unterzeichnung. Für Mazedonien öffnet sich mit dem Kompromiss die Tür zur Nato und zu EU-Beitrittsverhandlungen. Der griechische Premier Alexis Tsipras sprach von einem «historischen Schritt». Er hatte am Samstag im Athener Parlament einen Misstrauensantrag überstanden, mit dem die konservative Opposition den Kompromiss durchkreuzen wollte. Oppositionsführer Kyriakos Mitsotakis warf Tsipras vor, er habe einen «schlechten Deal» geschlossen und verpfände die Zukunft des Landes. Der Misstrauensantrag scheiterte jedoch deutlich.

Die Einigung ist aber mit der feierlichen Unterzeichnung in Psarades noch nicht in trockenen Tüchern. Jetzt beginnt der komplizierte Ratifizierungsprozess. Dafür muss Mazedonien seine Verfassung ändern und eine Volksabstimmung veranstalten, was mehrere Monate dauern dürfte. Erst danach kann das griechische Parlament endgültig ­zustimmen. In beiden Ländern bleibt der Kompromiss umstritten. Der mazedonische Präsident Djordje Ivanov will seine Zustimmung verweigern. Auch in Griechenland gibt es Kritik. Laut einer am Sonntag veröffentlichten ­Umfrage sind 68 Prozent der ­Befragten gegen das Abkommen. In Athen ist es am Samstag und Sonntag zu grösseren Demonstrationen gegen das Abkommen gekommen.

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