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Assad unter Feuer

Syrien Schwere Explosionen rissen die Bewohner von Damaskus gestern am frühen Morgen aus dem Schlaf. Lichtblitze standen am Himmel, gefolgt von dumpfen Erschütterungen. Im Norden und Osten der syrischen Hauptstadt markierten dichte, schwarze Rauchwolken die Einschlagsorte. «Es war Chaos pur über unseren Köpfen», beschrieb ein Bewohner gegenüber der BBC. Rund 70 Minuten dauerte das Bombardement durch amerikanische, französische und britische Kampfjets und Cruise-Missiles. Schon wenig später kreisten Autokorsos mit syrischen Fahnen durch die Strassen und liessen Bewohner die Armee und Baschar al-Assad hochleben. «Baschar, wir folgen deinen Befehlen. Und wenn die Welt in Flammen aufgeht», skandierten einige.

Laut Pentagon nahmen die westlichen Angreifer mehrere Ziele unter Feuer, darunter ein chemisches Forschungsinstitut in Damaskus. Nahe der Stadt Homs traf es zwei Militäreinrichtungen, in denen Chemikalien zur Giftgasproduktion lagern sollen. Russische Standorte blieben ausgespart, syrische Zivilisten kamen nach ersten Informationen nicht ums Leben. Noch tags zuvor hatten beide Weltmächte erklärt, ihre Hotline zu Syrien sei intakt. Die Zahl der Raketen war diesmal offenbar doppelt so hoch wie vor einem Jahr nach dem Giftgasangriff auf die nordsyrische Stadt Khan Sheikhoun. Damals feuerten US-Kriegsschiffe im Mittelmeer 59 Marschflugkörper ab und zerstörten Landebahn und Flugzeugbunker auf der Luftwaffenbasis Shayrat in Zentralsyrien, die sich jedoch in wenigen Wochen reparieren liessen.

Auch der neuerliche westliche Angriff dürfte das Regime in Damaskus nicht sonderlich beeindrucken oder seine Entschlossenheit bremsen, ganz Syrien wieder in seine Gewalt zu bringen. Angst und Schrecken in der Zivilbevölkerung sollen Druck auf die bewaffneten Gruppen ausüben, zu den Bedingungen Assads zu kapitulieren. So auch letzte Woche in Ost-Ghuta: Stunden nach dem Giftgas-Einsatz willigte die kampfstarke Dschaisch al-Islam in Duma in ihren Abzug ein, sodass das Regime einen verlustreichen Häuserkampf vermeiden konnte.

Russland scheitert in UNO-Sicherheitsrat mit Resolution

US-Präsident Donald Trump bewertet die Angriffe als Erfolg. Es habe sich um einen «perfekt durchgeführten Luftschlag» gehandelt, teilte er gestern über Twitter mit. «Wir hätten kein besseres Ergebnis haben können. Mission erfüllt!» Die britische Premierministerin Theresa May argumentierte im Fernsehen, es gebe keine praktikable Alternative zu einem solchen Einsatz von Gewalt, um das syrische Regime vom ­Gebrauch chemischer Waffen abzuschrecken. Bundeskanzlerin Angela Merkel nannte das militärische Vorgehen «erforderlich und angemessen».

Russland scheiterte indes im UNO-Sicherheitsrat mit dem Versuch, eine Verurteilung der westlichen Raketenangriffe in Syrien zu erreichen. Bei einer ­Dringlichkeitssitzung des wichtigsten UNO-Gremiums stimmten gestern nur 3 von 15 Mitgliedstaaten für einen entsprechenden russischen Resolutionsentwurf: Russland, China und Bolivien. In dem Entwurf wurden die Raketenangriffe der USA, Frankreichs und Grossbritanniens auf Ziele in Syrien als «Aggression» und als «Verletzung des Völkerrechts und der UNO-Charta» bezeichnet.

Der Kreml warf den Westmächten vor, die Militärschläge seien zynisch, weil wenige Stunden später ein Team der Organisation zum Verbot von Chemiewaffen (OPCW) mit seinen Untersuchungen in Ost-Ghuta beginnen sollte. Dort waren vor einer Woche nach zwei Hubschrauberangriffen mindestens 43 Menschen in ihren Schutzräumen erstickt und über 500 verletzt worden. Viele der Opfer zeigten Symptome, die den Einsatz von Nervengift nahelegen.

Martin Gehlen, Tunis/SDA

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