Assad ist der falsche Mann

Zur Sache

Michael Wrase
Drucken
Teilen

Hilflos und entsetzt müssen wir mit ansehen, wie in einer syrischen Ortschaft Dutzende von Zivilisten bei einem Giftgasangriff ums Leben kommen. Vieles spricht dafür, dass das Assad-­Regime hinter den barbarischen Attacken steckt. «Assad oder wir verbrennen das Land» lautet eine der Losungen, die syrische Soldaten auf Häuserwände in den Hochburgen der Opposition gesprüht haben. Die Botschaft ist klar: Wer weiterhin Widerstand leistet, wird vernichtet.

Allerdings gilt auch für mutmassliche Kriegs­verbrecher zunächst das Unschuldsprinzip. Die heimtückischen Attacken müssen untersucht werden. Leicht wird dies nicht. Denn die Schauplätze des Massakers werden von der Nusra-Front, der syrischen Filiale von Al Kaida, kontrolliert. Der Kampf gegen das Terrornetzwerk ist wichtig. Allerdings darf dieser Kampf nicht von einem Diktator wie Assad angeführt werden. Mit ihm wird es niemals Frieden in Syrien geben. Gleiches gilt für die Dschihadisten der Nusra-Front, welche bedauerlicherweise die stärkste militärische Kraft im syrischen Widerstand sind.

Ein Ausweg ist nicht in Sicht. Auch unter Trump hat die amerikanische Syrienpolitik keine Konturen. Nur Russland und der Iran verfolgen eine klare Strategie, zu der auch die Deckung oder Leugnung mutmasslicher Verbrechen gehört. Als wichtigste und längst unentbehrlichste Unterstützer des Assad-Regimes hätten Moskau und Teheran die Möglichkeit, auf Assad einzuwirken. Tun sie dies nicht, machen sie sich mitschuldig und verschärfen einen Konflikt, der nach einer Phase der relativen Ruhe wieder zu eskalieren droht. Seite 9