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Interview

Nahost-Experte: «Assad hat nichts gegen das Vorgehen der Türkei»

Nahost-Experte Michael Eppel über die Profiteure des türkischen Angriffs auf Syrien und die Verzweiflung der Kurden in der Region.
Pierre Heumann aus Tel Aviv
Die Türkei hat ihre «Operation Friedensquelle» gestern gestartet: Mit einem Angriff auf die syrische Stadt Ras al-Ain. (Bild: Getty Images)

Die Türkei hat ihre «Operation Friedensquelle» gestern gestartet: Mit einem Angriff auf die syrische Stadt Ras al-Ain. (Bild: Getty Images)

Die Türkei hat nach dem Abzug der amerikanischen Truppen gestern Mittwoch ihren Angriff auf Syrien begonnen. Welche Konsequenzen hat das für die Kurden in Syrien?

Michael Eppel: Falls die Türkei im eroberten syrisch-türkischen Grenzgebiet wie angekündigt Flüchtlinge ansiedeln wird, wird sich die Demografie zuungunsten der Kurden verändern. Das wäre ein harter Schlag für die Autonomieträume der syrischen Kurden. Bisher hatten die rund 1,5 Millionen Kurden nämlich gehofft, dass sie eines Tages mit US-amerikanischer Unterstützung innerhalb Syriens eine selbstständige Politik verfolgen könnten, obwohl der syrische Herrscher Baschar al-Assad davon nichts wissen will.

Wird sich Assad gegen den türkischen Vormarsch auf seinem Staatsgebiet zur Wehr setzen?

Damit rechne ich in einer ersten Phase nicht. Assad hat nämlich nichts dagegen, wenn die Türkei gegen die Kurden vorgeht. Sobald aber die Kurden einmal erledigt sind, wird er wohl den Rückzug der türkischen Truppen aus seinem Territorium fordern.

Können die syrischen Kurden auf die Hilfe der Kurden im Irak zählen, die auf vielen Gebieten eine von Bagdad unabhängige Politik verfolgen?

Es gehört zur Tragödie der Kurden, dass die syrischen und irakischen Kurden gegensätzliche Interessen haben. Das Verhältnis zwischen den beiden Volksgruppen ist kompliziert. Während die irakischen Kurden gute Beziehungen zur Türkei haben, ist die Türkei für die syrischen Kurden ein Erzfeind.

Welche Folgen hat die aktuelle Entwicklung für den türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan?

Er geht gestärkt aus der aktuellen Krise hervor, auch weil er vom Weissen Haus in Washington zahlreiche Zugeständnisse erhalten hat.

Welche?

Er hat grünes Licht für den Einmarsch ins syrisch-türkische Grenzgebiet erhalten. Die amerikanische Regierung hatte zuvor akzeptiert, dass das Nato-Mitglied Türkei in Russland Waffen einkauft. Zudem beschafft sich Ankara iranisches Öl und setzt sich damit über die Sanktionen hinweg, die von Washington gegenüber Teheran verhängt worden sind. Aber eines sollte Erdogan nicht vergessen: Die von ihm als Feinde eingestuften 12 bis 18 Millionen Kurden bleiben in seinem Land. Innenpolitisch ist er also nicht aus dem Schneider.

Was bedeutet das alles für die Kurden im Iran?

Auch die sieben bis neun Millionen Kurden im Iran wollen natürlich mehr Selbstständigkeit. Teheran hat deshalb kein Interesse, dass die syrischen Kurden ihre Autonomiepläne realisieren. Vor allem aber wollen sie, dass Assad …

… der von der iranischen Unterstützung abhängig ist …

… möglichst grosse Teile Syriens beherrscht. Selbst jetzt, wo die Türkei im syrischen Kurdengebiet einmarschiert ist, wird Teheran – zusammen mit Moskau und Damaskus – erst dann einen Rückzug der Türken fordern, wenn die Kurden besiegt sind. Das könnte neue Konflikte schaffen. Irans Präsident Rohani hat Erdogan bereits gewarnt, sich zurückzuhalten. Es geht ihm nicht um die Kurden. Vielmehr will er zeigen, dass er seinen Verbündeten Assad unterstützt. Nachdem die USA sich aus dem Nahen Osten zurückziehen wollen, fehlt eine Ordnungsmacht. Als Alliierter hat Amerika an Glaubwürdigkeit eingebüsst. Auch in Jerusalem stelle ich gegenüber Trump Ernüchterung fest.

Obwohl Israels Premier Benjamin Netanjahu Trump eben noch als den verlässlichsten Freund bezeichnet hat?

Ja. Jetzt muss Netanjahu feststellen, dass Trump seine eigenen Interessen verfolgt und sich aus «unnötigen» Kriegen zurückziehen will. Netanjahu muss sich vorwerfen lassen, dass er sich zu einseitig auf Trump gestützt hat und zu den US-Demokraten auf Distanz gegangen ist. Damit hat er der traditionell überparteilichen Unterstützung für Israel geschadet.

Michael Eppel ist Nahost-Spezialist an der Universität Haifa. Er ist Ko- Autor von «Kurdish Awakening: Nation Building in a Fragmented Homeland».

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