Assad bezeichnet Gegner als «eine kleine Minderheit»

Syriens Präsident Assad ist ein Meister der Selbsttäuschung. Er will den «Dialog» – doch Gesprächspartner werden verhaftet.

Michael Wrase
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ISTANBUL. In einem gestern veröffentlichen Gespräch mit dem ägyptischen Wochenblatt «Al Ahram al Arabi» nannte Assad seine vielen Gegner «eine kleine Minderheit», die in der Bevölkerung keinen Rückhalt habe. Der Sturz seiner Regierung sei daher unmöglich. Eine Militärintervention in seinem Land nach libyschem Vorbild schliesst Assad ebenso aus wie einen Sieg der Rebellen, in seinen Augen «Terroristen».

In einem «Paralleluniversum»

Assad lebe in einem «Paralleluniversum, umgeben von Schmeichlern und Ja-Sagern», beschreibt Eiman Abdelnur, ein früherer Berater des Diktators, seinen früheren Chef. Er glaube wirklich, dass die Menschen ihn liebten, und sei davon überzeugt, dass Syrien ohne den Assad-Clan untergehen werde.

Auch das im Interview gemachte Gesprächsangebot an die Opposition zeugt von Weltfremdheit oder bodenlosem Zynismus. «Die Tür zum Dialog ist offen», sagte Assad. Nur im Gespräch mit der Opposition könne die «Krise» bewältigt werden.

Dialogpartner verhaftet

Es fehlen aber Gesprächspartner. Nur Stunden nach dem Interview verhaftete der Geheimdienst am Flughafen von Damaskus vier Mitglieder des «Nationalen Koordinierungskomitees für den Demokratischen Wandel». Diese hatten mit Vertretern Chinas, das Assad noch stützt, über Auswege aus der Krise gesprochen. Ob Assad den Verhaftungsbefehl gegeben hat, ist unklar. «Sollte er nicht Bescheid gewusst haben, wäre dies ein weiteres Zeichen dafür, dass inzwischen an Assad vorbeiregiert wird, in Syrien andere Leute das Sagen haben», sagte ein Oppositionssprecher in Istanbul.