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Syrien: Assad als kleineres Übel

Nach einem Hilfeersuchen der YPG rücken in Nordsyrien reguläre Truppen des Assad-Regimes mit dem Segen Russlands und arabischer Golfstaaten in das von der türkischen Armee bedrohte Manbidsch ein.
Michael Wrase, Limassol
Syrische Kurden demonstrieren im Norden des Landes gegen die drohende türkische Invasion. (Bild: D. Souleiman/AFP (Qamischli, 28. Dezember 2018))

Syrische Kurden demonstrieren im Norden des Landes gegen die drohende türkische Invasion. (Bild: D. Souleiman/AFP (Qamischli, 28. Dezember 2018))

Aus ihrer leidvollen Geschichte sollten die Kurden gelernt haben, dass sie sich bei ihrem Streben nach Unabhängigkeit oder Autonomie auf niemanden verlassen können. Diese bittere Erfahrung hatten im letzten Jahr die irakischen Kurden gemacht. Nun sind es die syrischen Kurden, die nach einem aufopferungsvollen Kampf gegen die Terrormilizen des sogenannten Islamischen Staates (IS) von ihrem vermeintlichen amerikanischen Bündnispartner im Stich gelassen werden.

Die Aufgaben der abziehenden US-Armee in Nordsyrien sollen offenbar die von islamistischen Milizen unterstützten türkischen Streitkräfte übernehmen, in deren Augen die kurdischen Volksverteidigungsmilizen (YPG) bekanntlich Terroristen sind. Um ihre von Ankara lautstark angekündigte «Eliminierung» zu verhindern, entschied sich die Führung der YPG daher für das «kleinere Übel»: Den syrischen Staatspräsidenten Baschar al-Assad. Dieser hatte vor dem Volksaufstand von 2011 den syrischen Kurden eine Art Teilautonomie gewährt und später seine Truppen aus dem ölreichen Nordosten ­Syriens, der fast ein Drittel des syrischen Staatsgebietes ausmacht, komplett abgezogen.

Unterstützung durch die Präsidentengarde

Eine der ersten Städte, aus denen sich die Assad-Truppen im Sommer 2012 zurückziehen mussten, war Manbidsch. Die westlich des Euphrats gelegene Stadt wurde zunächst von Al-Kaida-nahen Milizen und dann vom IS kontrolliert, ehe im August 2016 die ­kurdischdominierten Syrisch- Demokratischen Kräfte die Terrormilzen vertrieben.

Seit gestern werden grosse Teile von Manbidsch wieder von der regulären syrischen Armee kontrolliert, die durch schwerbewaffnete Einheiten der Damaszener Präsidentengarde verstärkt wurde. Im Zentrum der Stadt wehen riesige syrische Flaggen. Zuvor hatte die YPG das Regime in Damaskus hochoffiziell aufgefordert, die «Syrische Arabische Republik gegen eine Invasion der Türkei» zu verteidigen.

Der Einmarsch der syrischen ­Armee in Manbidsch ist für Recep Tayyip Erdogan ein schwerer Rückschlag. Dem türkischen Präsidenten dürfte es jetzt schwerfallen, die «Wiederherstellung der staatlichen Souveränität» in Manbidsch durch die reguläre ­syrische Armee als illegal zu bezeichnen und seinen an der Grenze postierten Truppen den Angriff auf die 25 Kilometer entfernt liegende Stadt zu befehlen.

Erdogan würde sich in diesem Fall auf Kollisionskurs mit Moskau begeben. Dort hatte das Aussenministerium zu Wochenbeginn erklärt, dass die Gebiete der syrischen Kurden «der syrischen Regierung zur Wiederherstellung der staatlichen Einheit» zurückgegeben werden müssten. Die gestern erfolgte Einigung zwischen Damaskus und der YPG wurde in Moskau als ein «positiver Schritt zur Stabilisierung Syriens» bezeichnet.

Abu Dhabi schwenkt um

Zu den Verfechtern der syrischen Unabhängigkeit gehören neuerdings auch die Vereinigten ­Arabischen Emirate, die am ­Mittwoch ihre vor sechs Jahren geschlossene Botschaft in Damaskus wiederöffneten. Abu Dhabi hatte während des Bürgerkriegs dschihadistische Milizen unterstützt sowie die Entsendung von ausländischen Söldnern finanziert. Nun scheinen sich die Emirate mit dem immer selbstbewussteren Assad-Regime arrangieren zu wollen.

Das geht zumindest aus einer Erklärung des Aussenministeriums in Abu Dhabi hervor, in der nicht nur die «arabische Rolle bei der Unterstützung der syrischen Souveränität und Sicherheit» hervorgehoben wird. Das schwerreiche Emirat macht sich sogar die Mühe, auf die «Gefahren einer regionalen Intervention in die arabischen Angelegenheiten Syriens» hinzuweisen – was als Anspielung auf die Einmarschpläne der türkischen Armee interpretiert werden muss.

Abu Dhabi ist einer der engsten Verbündeten von Saudi-Arabien. Das Wüstenkönigreich war von US-Präsident Donald Trump kürzlich aufgefordert worden, die Kosten für den Wiederaufbau von Syrien zu übernehmen.

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