Asien will Nuklearindustrie massiv ausbauen

Angesichts der sich anbahnenden Atomkatastrophe in Japan halten Asiens Regierungen mit beinahe finsterer Entschlossenheit an ihren Plänen fest, ihre Nuklearindustrie massiv zu erweitern.

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Angesichts der sich anbahnenden Atomkatastrophe in Japan halten Asiens Regierungen mit beinahe finsterer Entschlossenheit an ihren Plänen fest, ihre Nuklearindustrie massiv zu erweitern. Laut der World Nuclear Association werden 40 der weltweit 62 im Bau befindlichen Atomkraftwerke in Asien errichtet. Neben China, wo 27 Reaktoren gebaut werden und 50 weitere geplant sind, liegen Südkorea und Indien mit weiteren 25 Nuklearkraftwerken an der Spitze.

Unbeeindruckt von der Katastrophe

Indiens Premierminister Manmohan Singh ordnete zwar eine Sicherheitsüberprüfung der bestehenden Kernkraftwerke seines Landes an. Aber damit ist bereits das Ende der Zugeständnisse erreicht. Südkoreas Präsident Lee Myung-Bak war während eines Besuchs in den Vereinigten Arabischen Emiraten derart unbeeindruckt von den Entwicklungen in Japan, dass er gar versuchte, AKWs zu verkaufen: «Südkorea besitzt die besten Atomkraftwerke in Fragen von Sicherheit und Effizienz und ich bin überzeugt, dass es gute Modelle für den Nahen Osten sind.»

In Vietnam, das acht AKWs plant, erklärte Vunon Huu Tan, Chef des Nuclear Energy Institute: «Ich glaube nicht, dass die Entwicklung in Japan irgendwelche Auswirkungen auf unsere Pläne haben wird.»

Zumindest in Indonesien und Thailand, die beide im Jahr 2004 unter den Naturgewalten eines Tsunamis zu leiden hatten, hält man auf etwas Distanz zur Atomkraft. Zwar plant die staatliche Stromgesellschaft Bangkoks den Bau eines 1000-Megawatt-Reaktors bis zum Jahr 2020. Aber Premierminister Abhisit Vejjajiva gilt als AKW-Gegner.

Indonesien wiederum strich vor ein paar Jahren Pläne zum Bau eines Atomkraftwerks nach energischen Protesten durch betroffene Dorfbewohner. Gegenwärtig wird aber über den Bau eines Reaktors auf einer Insel in der Nähe von Singapur diskutiert.

Lukrative Milliardenprojekte

Am teuersten bezahlten die Philippinen für das Abenteuer mit der Atomkraft.

Das Land legte ein Kernkraftwerk still, das zwei Milliarden US-Dollar gekostet hatte – und just auf einer Erdbebenfalte errichtet worden war.

Dass Regierungen in Asien trotz aller Risiken an der Atomkraft festhalten wollen, hat laut Experten vor allem zwei Gründe: Die Milliardenprojekte sind so lukrativ, dass ordentliche Mengen an Kommissionen und Schmiergeldern anfallen.

Ausserdem behaupten die Staaten, nur mit der Atomkraft den wachsenden Energiebedarf für ihre boomenden Ökonomien abdecken zu können.

Willi Germund, Rangun