Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben jetzt den Aktivierungslink für Ihr Konto per E-Mail erhalten.

Ihr Konto ist aktiviert. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Arnault will Belgier werden

Der Vorsteher des weltgrössten Luxuskonzerns LVMH, Bernard Arnault, beantragt die belgische Staatsbürgerschaft – wohl aus Protest gegen die in Frankreich geplante 75-Prozent-Steuer.
Stefan Brändle
Steuergründe? Bernard Arnault will in Belgien eingebürgert werden. (Bild: ap/Michel Euler)

Steuergründe? Bernard Arnault will in Belgien eingebürgert werden. (Bild: ap/Michel Euler)

PARIS. Die Meldung sei «wie eine Bombe» in das ruhige Pariser Wochenende geplatzt, meinte die christliche Tageszeitung La Croix: Bernard Arnault, der laut dem US-Magazin «Forbes» 32 Milliarden Euro sein Eigen nennt, ersucht um die belgische Staatszugehörigkeit. Nach französischer Lesart kann das nur eins heissen: Der reichste Franzose will sein Steuerdomizil aus Frankreich verlagern. Er liess dieses Motiv am Samstag allerdings dementieren: «Herr Bernard Arnault ist und bleibt in Frankreich steuerpflichtig», hiess es in einem Communiqué.

Der 63jährige Gründer des Luxusgüterkonzerns Louis Vuitton-Moët Hennessy (LVMH) meinte weiter, er stamme aus Nordfrankreich und habe zahlreiche Familienbande in Belgien; auch plane er dort «heikle» Investitionen, die eine belgisch-französische Doppelbürgerschaft nahelegten.

Erinnerungen an Hallyday

Diese Argumente klingen nicht sehr überzeugend. LVMH ist auf allen Kontinenten aktiv und nicht auf den kleinen belgischen Markt angewiesen. Eher erinnern sich die Franzosen an den Rocksänger Johnny Hallyday, der aus Fiskalgründen ebenfalls den belgischen Pass beantragt hatte. Als er ihn nicht erhielt, liess er sich in der Schweiz nieder, wo er dank der Pauschalbesteuerung viel besser abschneidet – selbst wenn diese bei der Abstimmung im Kanton Bern Ende September revidiert werden sollte.

Belgien ist kein eigentliches Steuerparadies, kennt aber keine Vermögenssteuer wie Frankreich. Auch der Erbantritt oder Verkauf eines Unternehmens werden in Belgien viel weniger taxiert. Hunderte von reichen Franzosen dürften die belgische Staatsbürgerschaft aus diesem Grund beantragt haben. Arnault ist deshalb kein Einzelfall. Trotzdem ist sein Fall ein «starkes Symbol», wie der grösste Fernsehsender TF1 kommentierte. Auch andere französische Medien meinen, es könne kein Zufall sein, dass Arnaults Gesuch gerade jetzt publik werde: Seit letzter Woche wird in Frankreich intensiv über eine umstrittene Reichensteuer debattiert. Präsident François Hollande will nämlich Einwohner, die jährlich mehr als eine Million Euro verdienen, in Erfüllung eines Wahlversprechens mit einer Steuer von 75 Prozent belegen.

Polemik um Steuerpolitik

Nach neusten Gerüchten, die Regierung krebse zurück und füge so viele Ausnahmen ein, dass am Schluss nur noch 1000 Grossverdiener betroffen seien, erklärte der sozialistische Arbeitsminister Michel Sapin am Freitag, er halte an der Massnahme aus Gründen der «Gerechtigkeit und sozialen Kohäsion» fest. Ein Tag später machte eine belgische Zeitung Arnaults Gesuch publik.

Seither wogt die Polemik hoch. Der konservative Ex-Premierminister François Fillon griff die Regierung am Wochenende hart an: «Wenn man dumme Entscheide fällt, erntet man fürchterliche Resultate.» Der Vizechef der Sozialisten, Harlem Désir, konterte: «Wenn man Frankreich liebt, verlässt man es nicht in Sturmzeiten.» In einer Blitzumfrage äusserten allerdings 53 Prozent der Befragten Verständnis für Arnaults Schritt. Auch der linke Ökonom Thomas Piketty meinte, man sollte nicht Einkommen aus Arbeit, sondern Kapitaleinkünfte stärker besteuern.

Hollande gerät unter Druck

In Paris wird damit gerechnet, dass sich Hollande selbst in Kürze dazu äussern muss. Der 58jährige Sozialist gerät wirtschaftspolitisch immer mehr in die Bredouille. Letzte Woche hatte er bestätigt, alles zu tun, das Budgetdefizit bei der anstehenden Haushaltsdebatte wie versprochen auf 3 Prozent des Bruttoinlandproduktes zu drücken. Das würde nach jetzigem Stand 33 Milliarden Euro an zusätzlichen Einsparungen oder Steuermehreinnahmen erfordern. In einer neuen Meinungsumfrage von Sonntag bezeichneten sich 59 Prozent der Franzosen als «unzufrieden» mit seiner Politik.

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.