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Ägypten veranstaltet Rüstungsmesse und kauft im grossen Stil Waffen ein

Das nordafrikanische Land gehört zu den grössten Rüstungskäufern der Welt. Jetzt organisiert Kairo seine erste internationale Waffenmesse, während mehr als die Hälfte der Bevölkerung in Armut lebt.
Martin Gehlen, Tunis
Ägyptens Machthaber Abdel Fattah al-Sisi bei einem Besuch in Deutschland Ende Oktober. Bild: Kamil Zihnioglu (30. Oktober 2018)

Ägyptens Machthaber Abdel Fattah al-Sisi bei einem Besuch in Deutschland Ende Oktober. Bild: Kamil Zihnioglu (30. Oktober 2018)

Fünf Jahre ist der Ex-Feldmarschall an der Macht. Nun möchte Ägyptens Präsident Abdel Fattah al-Sisi demonstrieren, dass er und seine Generäle im globalen Waffengeschäft ganz oben mitmischen. Erstmals in der Geschichte des Landes organisiert das Regime eine internationale Rüstungsmesse. Der Diktator persönlich eröffnet heute die dreitägige «Egyptian Defense Expo» (Edex) in dem nagelneuen «Internationalen Messezentrum», einem 40'000-Quadratmeter-Hallenkomplex vor den Toren der Nil-Metropole.

373 Aussteller aus ­ 41 Nationen haben sich angekündigt, um ihre Kriegsmaschinen zu präsentieren. Und das in einem Land, in dem über die Hälfte der 97 Millionen Bewohner in bitterer Armut lebt. 20 deutsche Anbietern sind mit dabei. Spitzenreiter USA reist mit 39 Firmen an. Mehr als 10'000 Fachbesucher verspricht die Edex-Website, die mit einem Kampfhubschrauber vor den Pyramiden als Logo wirbt.

In der arabischen Welt, in der nur 5 Prozent der Menschheit leben, aber 32 Prozent aller Waffen gekauft werden, fanden solche opulenten Kriegsbasare bisher nur in den Golfstaaten statt. Doch seit Sisi an der Macht ist, strebt Ägypten in den Kreis der Premiumkunden für Rüstungsgüter. Seine Waffenrechnung stieg zwischen 2013 und 2017 um 215 Prozent auf 1,4 Milliarden Dollar pro Jahr, wie das Stockholmer Friedensforschungsinstitut Sipri ermittelte. Im Nahen Osten avancierte Kairo damit zum zweitgrössten Waffenkäufer nach Riad.

Kritik unerwünscht

Anders als in den superreichen Ölmonarchien bezahlen am Nil vor allem die kleine Leute die ­Zeche ihrer Generäle. Denn Ägypten droht an seinen Devisenschulden zu ersticken. Allein im laufenden Haushaltsjahr 2018/2019 muss die Sisi-Führung 30 Milliarden Dollar an Zinsen und Tilgung aufbringen, was 38 Prozent der Budgetmittel verschlingt. «Der Schuldendienst ist ein grosses Problem», räumte kürzlich auch Finanzminister Mohammed Maait ein.

Gleichzeitig sorgen die Einkauflisten des Regimes bei Fachleuten für Kopfschütteln. «Militärische Notwendigkeiten erklären diesen erheblichen Anstieg nicht», urteilt der geopolitische US-Informationsdienst Stratfor. Experten des Pentagons beklagen schon lange, dass Ägyptens Generäle lieber Grossgerät wie Panzer, Überschalljets und Kampfhubschrauber für ihre Kasernen im Niltal bestellen als dringend nötige elektronische Aufklärungstechnik gegen die Dschihadisten auf der zerklüfteten Halbinsel.

Umgekehrt ist Ägypten weltweit der grösste Empfänger von internationaler Hilfe. Trotzdem werden die Lebensbedingungen der breiten Bevölkerung immer miserabler, weil der Löwenanteil der Auslandshilfen in Uniform­taschen versickert. «Die Pflicht zu grundlegender Transparenz sowie zu unabhängiger, öffentlicher Aufsicht über die Militärausgaben sollte zur Vorbedingung gemacht werden für weitere internatio­nale Unterstützung», forderte Transparency International und spricht von einem «kleptokratischen System». Als Hisham Geneina, bis 2016 Chef des Rechnungshofes, den Schaden durch Korruption seit Sisis Amtsantritt auf 17 Milliarden Dollar pro Jahr bezifferte, wurde er aus dem Amt gejagt. Im April verurteilte ihn ein Militärgericht zu fünf Jahren Haft wegen «Verbreitung von Nachrichten, die der Armee schaden».

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