Armee tritt zum Treueschwur an

In Nordkorea hat sich Kim Jong Un zum Jahrestag seines Machtantritts nach dem Tod von Vater Kim Jong Il der Loyalität der Armee versichert. Seine Tante und Witwe des «Verräters» Jang bleibt unbehelligt.

Walter Brehm
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Führende Armeeoffiziere applaudieren ihrem Führer Kim Jong Un. (Bild: ap)

Führende Armeeoffiziere applaudieren ihrem Führer Kim Jong Un. (Bild: ap)

Gestern hat das nordkoreanische Regime den zweiten Jahrestag des Todes von Kim Jong Il zelebriert, des «lieben Führers», dem gleichentags dessen Sohn Kim Jon Un auf den «Thron» der Erbdiktatur gefolgt war.

Millionenfacher Treueschwur

Nach der Hinrichtung Jang Song Thaeks, der früheren Nummer zwei des Regimes, war eine Zeremonie am Vortag für Diktator Kim Jong Un fast ebenso wichtig wie der gestrige Gedenktag. Landesweit waren etwa eine Million Soldaten zu Treueschwur auf Kim abkommandiert worden.

Dessen hingerichteter früherer Mentor Jang hatte so gute Beziehungen zur Armeeführung gehabt, dass die Einschwörung der Truppe mehr war als eine blosse Inszenierung der Macht. Es war ein notwendiges Signal an die koreanische Öffentlichkeit, das Kim alles unter Kontrolle habe.

Parteisäuberung dauert an

Als nachträgliche Legitimation der Hinrichtung Jangs muss auch ein anderes Signal des etwa 30jährigen Jungdiktators gewertet werden. Kim Kyong Hui, die Witwe Jangs und Tante Kim Jong Uns, verbleibt anscheinend im innersten Machtzirkel des Regimes. In ziemlich grober Ironie war am Wochenende aus Pjöngjang vermeldet worden, Kim Kyong Hui sei in die «Kommission für offizielle Staatsbegräbnisse» befördert worden. Die stets gut informierten Südkoreanischen Geheimdienste meldeten gleichzeitig, dass im Norden eine Säuberung der kommunistischen Partei von Anhängern Jang Song Thaeks im Gange sei.

Pekings Alarm an der Grenze

Einen weiteren Grund, sich öffentlich der Loyalität von Partei und Armee zu versichern, ist für Kim die Irritation der Chinesischen Staats- un Parteiführung ob der Vorgänge in Nordkorea. Diese hat sich noch verstärkt, nachdem Kim eine Reihe von Funktionären und Wirtschaftsfachleuten Pjöngjangs aus China in die Heimat zurückbeorderte.

Peking soll danach, ebenfalls laut südkoreanischen Quellen, seine Grenztruppen in erhöhte Alarmbereitschaft versetzt haben. Aussenminister Wang Yi erklärte: «China beobachtet die Entwicklung in Nordkorea sehr genau.»

Auch deshalb sind die Gedenkveranstaltungen in Pjöngjang in diesem Jahr mehr als rituelle Tradition; insbesondere Kims Besuch mit Frau im Mausoleum seines Vaters Kim Jong Il und seines Grossvaters Kim Il Sung. Das Staatsfernsehen übertrug live, wie dort hohe Parteifunktionäre und Armeeoffiziere Kim Jong Un ihre unbedingte Loyalität versicherten.