Arabische Welt führt keine Debatte über die Ursachen

Der Sprecher des saudischen Aussenministers war einer der Ersten, die den Terroranschlag von Nizza als ein «abscheuliches Verbrechen» verurteilten.

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Der Sprecher des saudischen Aussenministers war einer der Ersten, die den Terroranschlag von Nizza als ein «abscheuliches Verbrechen» verurteilten. Das wahabitische Königreich stehe in diesen schweren Stunden fest an der Seite der französischen Republik, die man bei «Bekämpfung des Terrorismus» vorbehaltlos unterstützen werde. Ähnlich vage formulierte Beileidsbekundungen kamen auch aus Kuwait, Qatar und anderen Staaten der Region. Die Kairoer Al-Azhar-Universität, die als wichtigste religiöse Institution in der islamischen Welt gilt, rief «zur globalen Einheit auf, um die Welt von diesem Übel zu befreien».

Abstruse Verschwörungstheorien

Eine Debatte über die Wurzeln der so blumig angeprangerten Übel findet indes weder in Kairo noch auf der arabischen Halbinsel statt. Weil sie eine grundlegende Auseinandersetzung mit der Ideologie des Jihadi-Salafismus scheut oder unfähig dazu ist, flüchtet sich die islamische Geistlichkeit in Verschwörungstheorien. So bezeichnet der oberste Gelehrte der Kairoer Azhar-Universität, Ahmad Mohammed al-Tayyeb, den sogenannten «Islamischen Staat» (IS) konsequent als eine «zionistische Verschwörung, um die arabisch-islamische Welt in die Knie zu zwingen». Dass Verschwörungstheorien im Nahen Osten häufig verbreitet werden, ist nicht neu. Immer wieder versuchen die Herrschenden komplexe Sachverhalte auf extreme Weise zu verzerren. Dennoch ist es oft nur schwer nachvollziehbar, dass die in Kairo verbreiteten Lügen über die vermeintlichen Wurzeln des IS in weiten Teilen der islamischen Welt für bare Münze genommen werden.

Kein Kampf der Ideen gegen den IS

Jüngstes Beispiel ist die Türkei, wo nach den Terroranschlägen am Istanbuler Flughafen ein mit staatlichen Mitteln gefördertes Buch über den IS erschienen ist. Intellektuelle sind sowohl über den Inhalt des Buches mit seinen abstrusen Theorien als auch über die vom Staat vorgegebene Linie der Auseinandersetzung mit dem IS entsetzt. «Was wir jetzt brauchten, wäre einen Krieg der Ideen zur Bekämpfung des IS», schreibt der türkische Politologe Mustafa Akyol im Internetportal «Al Monitor». Die Bereitschaft dazu sei aber nicht vorhanden. (M. Wr.)