Arabische Kriegsallianz schürt Flucht auch aus Jemen

Während Europa mit der Massenflucht aus Syrien und Irak kämpft, löst die Arabische Kriegsallianz gegen den Aufstand der Huthi-Rebellen in Jemen eine neue Fluchtbewegung aus.

Walter Brehm
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Kinder spielen in Jemens Hauptstadt Sanaa in Bombentrümmern. (Bild: ap/Hani Mohammed)

Kinder spielen in Jemens Hauptstadt Sanaa in Bombentrümmern. (Bild: ap/Hani Mohammed)

Während Europa mit der Massenflucht aus Syrien und Irak kämpft, löst die Arabische Kriegsallianz gegen den Aufstand der Huthi-Rebellen in Jemen eine neue Fluchtbewegung aus.

Das Land an der Südspitze der arabischen Halbinsel hat in den vergangenen Jahren immer Flüchtlinge aufgenommen. Trotz bitterer Armut der Mehrheit der etwa 24 Millionen Jemeniten fanden zuletzt etwa 300 000 Flüchtlinge Unterschlupf – zumeist aus dem Bürgerkriegsland Somalia. Aber nun setzt eine Massenflucht in die entgegengesetzte Richtung ein – aus Jemen über die Meerenge ans Horn von Afrika. Von dort versuchen viele, nach Norden, etwa nach Ägypten, weiterzureisen. Experten halten es für eine Frage der Zeit, bis Flüchtlinge aus Jemen in Europa Schutz suchen werden.

12 Millionen Menschen in Not

Diese Menschen aus Jemen sind kaum weniger asylwürdig als jene aus Syrien. In Jemen herrscht Krieg. Viele Städte und Dörfer sind weitgehend zerstört. Die Versorgung der Zivilbevölkerung mit Wasser, Nahrung und Medikamenten ist zusammengebrochen. Etwa die Hälfte aller Jemeniten ist dringend auf Überlebenshilfe angewiesen. Die Zahl der unterernährten Kinder wird auf eine Million geschätzt. Die Zahl der getöteten Menschen geht nach wenigen Monaten Krieg in die Tausende.

Die Luftwaffe einer von Saudi-Arabien geführten Allianz bombardiert das Land unaufhörlich. Internationale Hilfe lassen die Angreifer nur sporadisch zu. Der Luftkrieg der sunnitisch beherrschten arabischen Emirate gegen die schiitischen Huthi soll nun auch ein Bodenkrieg werden. Schon heute werfen sich beide Kriegsparteien gegenseitig Kriegsverbrechen vor.

Internationale Bodentruppe

Die jemenitische Armee ist gespalten – in Sympathisanten der Huthi-Rebellen und Anhänger der früheren Regierung im im saudischen Exil. Daneben kämpfen aber auch von Saudi-Arabien unterstützte und aufgerüstete sunnitische Stämme sowie in anderen Ländern rekrutierte Kämpfer der Allianz, etwa aus Ägypten oder aus Senegal. Auch aus dem Sudan sollen demnächst bis zu 6000 Soldaten für den Bodenkrieg eingesetzt werden. Mit massiver Finanzhilfe hat Saudi-Arabien den als Kriegsverbrecher international gesuchten sudanesischen Präsidenten Omar al-Bashir zum Mittun in seiner Allianz gewonnen.

Angebliche iranische Gefahr

Die Allianz hat ihren Krieg immer auch damit begründet, dass die Huthi vom schiitischen Iran unterstützt würden – als neue Hisbollah auf der arabischen Halbinsel. Neutrale Beobachter allerdings erklären, Teheran rühre keinen Finger, um die bedrängten Huthi-Rebellen aufzurüsten oder ihnen gar militärisch zu Hilfe zu kommen.