ANSCHLAG IN BERLIN: «Die Tat trifft die Berliner mitten ins Herz»

Ein Terror-Akt hat am Montagabend die deutsche Hauptstadt erschüttert. Tagblatt-Redaktorin Linda Müntener war zum Zeitpunkt des Anschlags in der Nähe und berichtet von ihren Erlebnissen.

Alexandra Pavlovic
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Beim Terroranschlag am Breitscheidplatz in Berlin sind am Montagabend zwölf Menschen gestorben und 48 zum Teil schwer verletzt worden. (Bild: CLEMENS BILAN (EPA))

Beim Terroranschlag am Breitscheidplatz in Berlin sind am Montagabend zwölf Menschen gestorben und 48 zum Teil schwer verletzt worden. (Bild: CLEMENS BILAN (EPA))

Wo waren Sie zum Zeitpunkt des Anschlags?
Müntener: Ich sass mit rund 2500 Personen im ausverkauften Tempodrom an der Liveaufzeichnung von «Fest und Flauschig» der deutschen Satiriker Jan Böhmermann und Olli Schulz. Da die Sendung erst am Mittwoch ausgestrahlt werden sollte, waren Filmaufnahmen verboten. Die Handys mussten wir in der Tasche lassen. Ich hatte also keine Ahnung, was in einigen Kilometern Entfernung vor sich ging.

Wann haben Sie vom Terror-Akt erfahren?
Müntener: Erst als ich in einer extra einberufenen Pause auf mein Handy blickte. Ich hatte etliche Anrufe und Nachrichten wie "Bitte melde dich!" oder "Seid ihr in Sicherheit?" erhalten. Als ich dann erfahren habe, was passiert ist, war ich geschockt.

Linda Müntener. (Bild: Urs Jaudas)

Linda Müntener. (Bild: Urs Jaudas)

Wie erging es den restlichen Besuchern?
Müntener: Alle standen unter Schock. Verständlicherweise war die Stimmung danach im Keller. Vielen hatten Angst, die Leute blickten sich fassungslos an und wussten nicht, wie sie reagieren sollten. Die Tat hat die Berliner mitten ins Herz getroffen.

Was ist danach passiert?
Müntener: Der zweite Teil der Aufzeichnung wurde abgebrochen. Moderator Jan Böhmermann sprach zu uns und meinte, dass man nach so einer Tat nicht einfach weiter auf Lustig machen könnte. Wir sollten in Ruhe nach Hause gehen, da sei es momentan am sichersten. Wir sind dann zurück ins Hotel.

Gab es Probleme auf dem Weg dahin?
Müntener: Nein, das nicht, aber ich hatte ein mulmiges Gefühl. Zum Glück war meine Unterkunft nur einige Gehminuten vom Tempodrom entfernt. Aber auch auf der kurzen Distanz verspürte ich ein Gefühl der Machtlosigkeit. Jeder Fussgänger und jedes Auto erschien mir suspekt.

Wie stand es um die Sicherheitsvorkehrungen?
Müntener: Als wir den Tempodrom verliessen, spürten man nichts von verschärften Sicherheitsmassnahmen oder mehr Polizeipräsenz.  Aber unser Hotel hatte die Drehtüre verriegelt, und wir mussten klingeln, damit uns jemand die Türe aufschloss.

Wie geht es Ihnen heute, einen Tag danach?
Müntener: Ich habe immer noch ein mulmiges Gefühl und kann das Ganze noch nicht richtig fassen. Wenn ich daran denke, dass ich am Montagnachmittag noch völlig unbekümmert auf diesem Weihnachtsmarkt war, bin ich froh heute wieder nach Hause zu kommen. Ich könnte keinen weiteren Tag in Berlin bleiben. Auf den Strassen ist eine gewisse Angst und Verunsicherung spürbar. Und auch am Flughafen herrscht derzeit eine gereizte Stimmung.


Sehen Sie hier, wie Moderator Jan Böhmermann die Sendeaufnahmen abbricht: