Anschlag auf Kirche der Brotvermehrung

Historische Klosterkirche durch Brandsätze schwer beschädigt. 16 tatverdächtige israelische Religionsschüler mangels Beweisen wieder auf freiem Fuss. Israelische Politiker distanzieren sich von extremistischen Juden. Geheimdienst Shin Beth ermittelt weiter.

Susanne Knaul
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Die Klosterkirche der Brotvermehrung nach dem Brandanschlag. (Bild: ap/Ariel Shalit)

Die Klosterkirche der Brotvermehrung nach dem Brandanschlag. (Bild: ap/Ariel Shalit)

JERUSALEM. Israelische Politiker fast aller Parteien distanzieren sich von dem Brandanschlag auf die Kirche der Brotvermehrung im israelischen Ort Tabgha nahe dem See Genezareth.

Ein Mönch und ein freiwilliger Helfer aus Deutschland mussten mit Rauchvergiftungen ins Spital eingeliefert werden, nachdem unbekannte Täter am Donnerstag mehrere Brandsätze gezündet und das Atrium, einen Lagerraum und den «Verbindungsgang zwischen der Kirche und dem neuen Kloster» fast gänzlich zerstört hatten. Dies teilte gestern Walid Hag, Bauingenieur des neuen Klostergebäudes, auf telefonische Anfrage mit.

«Angriff auf das Leben»

«So eine schreckliche Entweihung eines heiligen Gebetsorts ist ein Angriff auf jede Faser des Lebens in unserem Land», sagte Israels Präsident Reuven Rivlin. Israel sei verpflichtet, die heiligen Stätten «aller Religionen zu schützen und zu bewahren». Premier Benjamin Netanyahu beauftragte den Inland-Geheim- dienst Shin Beth mit der Untersuchung.

In der angegriffenen Kirche erinnert ein Mosaik mit zwei Fischen an die Speisung der Fünftausend, die sich laut neu-testamentarischer Überlieferung unweit von Kapernaum am nördlichen Ufer des Sees Genezareth ereignet hatte. Mit fünf Broten und zwei Fischen soll Jesus das Wunder vollbracht haben, fünftausend Männer zu sättigen.

«Falsche Götter zerschmettern»

In Anlehnung an ein jüdisches Gebet hatten die Täter an eine Aussenwand der Kirche mit roter Farbe und auf Hebräisch den Spruch: «Die falschen Götter werden zerschmettert werden» gesprüht. Damit verstärkt sich der Verdacht, dass die Angreifer unter extremistischen Juden zu suchen sind. Vermutlich handelt es sich um die radikale Gruppe einiger weniger israelischer Siedler, die unter dem Begriff «Preisschild» agieren und die in der Vergangenheit wiederholt Schaden an islamischen und christlichen Stätten angerichtet hatten. Laut der liberalen Zeitung «Haaretz» hatte die Polizei noch am Donnerstag 16 Jeschiwa-Schüler festgenommen, musste die jungen Männer aus Mangel an Beweisen jedoch noch am gleichen Tag wieder entlassen. Ihr Anwalt, der extremistische Siedler-Aktivist Itamar Ben-Gvir, verurteilte die «grundlosen Verhaftungen» der jungen Männer, «nur weil sie aussehen wie Siedler». Seit Beginn der «Preisschild»-Aktionen vor vier Jahren ist noch kein einziger Fall vor Gericht gekommen.

Proteste arabischer Israeli

Die Vereinte Liste der arabischen und antizionistischen Abgeordneten im israelischen Parlament rief zur sofortigen Entlassung von Polizeichef Johanan Danino auf. In einem Protestschreiben verurteilte die Partei den «rassistischen Akt» und warf der Regierung vor, nicht genug gegen die «rechtsextremistischen Organisationen» zu unternehmen. Damit schwinde das Vertrauen der arabischen Bevölkerung in die Sicherheitskräfte. Jeder fünfte Israeli gehört der arabischen Minderheit an.

Verunsicherte Pilger

Aus Solidarität mit den Christen besuchte eine Delegation des Zionistischen Lagers, Israels grösster Oppositionspartei, gestern Taghba. Vater Nikodemus Claudius Schnabel, Sprecher der Dormition-Abtei in Jerusalem, die für die Kirche der Brotvermehrung zuständig ist, sprach gegenüber der «Jerusalem Post» von «täglich 5000 Besuchern». Aus aller Welt erreichten ihn telefonische Anfragen, erklärte Wadia Abu Nasser, Sprecher der katholischen Kirche in Israel. «Pilger fragen, ob ein Besuch noch sicher ist.» Abu Nasser warnte, das Image Israels könnte Schaden nehmen.