Anne Hidalgo ist die grosse Gewinnerin der Kommunalwahlen in Frankreich - jetzt könnte sie Macron und Le Pen herausfordern

Bei den französischen Kommunalwahlen im Amt bestätigt, führt die Pariser Stadtpräsidentin Anne Hidalgo die «grüne Welle» in Frankreich an. Bei den Präsidentschaftswahlen wird die Sozialistin nun als ernsthafte Alternative zu Emmanuel Macron und Marine Le Pen gehandelt.

Stefan Brändle aus Paris
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Strahlende Siegerin: Die Pariser Stadtpräsidentin Anne Hidalgo wird nach ihrem Wahlsieg vom Sonntag als Kandidatin fürs Präsidentenamt gehandelt.

Strahlende Siegerin: Die Pariser Stadtpräsidentin Anne Hidalgo wird nach ihrem Wahlsieg vom Sonntag als Kandidatin fürs Präsidentenamt gehandelt.

Julien De Rosa / EPA

«Sieben Jahre Glück» prophezeite ein Kanufahrer der Stadt Paris vor drei Jahren, als sie die olympischen Sommerspiele 2024 zugesprochen erhielt. Seither erlebt die Lichterstadt an der Seine jedoch ein Unglück nach dem anderen. Gewalttätige Gelbwestendemos verwüsteten die Champs-Elysées; dann brannte die Notre-Dame-Kathedrale aus - und nun treibt die Coronakrise zahllose Hotels und Restaurants in die Pleite.

Doch Stadtpräsidentin Anne Hidalgo hält das im Stadtwappen symbolisierte Pariser Schiff seit ihrer ersten Wahl 2014 auf Kurs. Am Sonntag wurde die 61-jährige Sozialistin bei den landesweiten Gemeindewahlen souverän wiedergewählt. Mit 48,5 Prozent lag sie klar vor ihren beiden Herausforderinnen, der Konservativen Rachida Dati (35,6 Prozent) und die «Macronistin» Agnès Buzyn (13,5).

Die beiden warfen Hidalgo im Wahlkampf vor, sie denke nur an ihre Wähler: Für die jungen, grünen «Bobos» (bourgeois-bohème) baue sie massenhaft Sozialwohnungen und Radwege; die Kriminalität und die Rattenplage in Paris kriege sie indessen nicht in den Griff.

Paris soll Velostadt werden

Lächelnd, mit weicher Stimme bestätigte Hidalgo in einem TV-Duell: Ja, sie wolle den Anteil der Sozialwohnungen bis 2030 von heute unter 20 auf 30 Prozent erhöhen. Nur so könne man den horrenden Immobilienpreisen in Paris – über 10 000 Euro pro Quadratmeter Wohnfläche – und der damit verbundenen «Gentrifizierung» entgegensteuern. Auch kämpfe sie gegen Reiseplattformen wie Airbnb, die Wohnhäuser in anonyme Tourismus-Absteigen verwandelten und ganze Viertel wie das Marais ihrer Wohnbevölkerung beraubten.

Und ja, fügte Hidalgo an, Paris solle eine Velostadt werden. Das wäre eine Revolution für die chronisch verstopften Boulevards. Geduldig, aber unbeirrbar arbeitet die Andalusierin, die mit 14 Jahren nach Paris gekommen war, auf diese Langzeitziel hin. Die Schnellstraßen entlang der Seine hat sie bereits in Flaniermeilen verwandelt; Diesel- und alten Benzinmotoren verwehrt sie die Zufahrt in die Innenstadt.

In der Coronakrise hat sie über Nacht ganze Auto- in Radspuren verwandelt. Die Pendler aus den Vororten schimpfen jeden Morgen über die rote Stadtvorsteherin, wenn sie in den Staus stecken. Aber sie hatten zur Wahl in der Stadt Paris nichts zu sagen.

Frankreichs Linke hat wieder eine Alternative

Mit ihrem persönlichen Wahltriumph führte Hidalgo die «grüne Welle» an, die Frankreich am Wahlsonntag erfasste. Die Ökopartei «Europe Ecologie-les Verts» eroberte die Rathäuser von Bordeaux, Lille, Strasbourg und eventuell auch Marseille; Grenoble und Paris behauptete sie spielend.

Mehr denn je gilt Hidalgo als mögliche Kandidatin für die Präsidentschaftswahlen 2022. Während der Kampagne beantwortete sie alle diesbezüglichen Journalistenfragen mit einem klaren «Nein». Aber hatte nicht schon ihr ehemaliger Parteifreund und Präsident François Mitterrand erklärt, nur Dummköpfe änderten nie ihre Meinung? Seit Montag hat Frankreichs Linke jedenfalls eine valable Alternative zu Emmanuel Macron und Marine Le Pen.

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