Angst vor Nachahmern

An der Echtheit der Amokdrohung von Winnenden im Internet besteht weiter Zweifel – Polizei sieht sich mit der Gefahr einer Nachahmungstat konfrontiert.

Ulrich Glauber
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Ennepetal: Amokdroher hatte Waffen und Chemikalien im Zimmer. (Bild: ap/Martin Meissner)

Ennepetal: Amokdroher hatte Waffen und Chemikalien im Zimmer. (Bild: ap/Martin Meissner)

Stuttgart. Steht ein neues Massaker bevor, oder geht es um Trittbrettfahrer? Mit dieser Frage sehen sich die Kriminalbehörden seit dem Amoklauf in den Kleinstädten Winnenden und Wendlingen mit 16 Todesopfern konfrontiert. Im deutschen Bundesland Nordrhein-Westfalen jedenfalls kam es gestern zu einer Festnahme. Die Polizei nahm in der Grossgemeinde Ennepetal laut eines kommunalen Spitzenpolitikers einen 17jährigen Gymnasiasten nach einer Amokdrohung fest. Auch die Sicherheitskräfte in den Niederlanden nahmen einen 18-Jährigen in Gewahrsam, der im Internet mit einem Angriff auf eine Schule gedroht haben soll.

Suche nach Beweisen

Unterdessen suchten die Ermittler weiter nach Beweisen für ihre Darstellung, der Attentäter Tim K. habe seinen Amoklauf in seiner früheren Schule in Winnenden zuvor im Internet-Chat angekündigt. Der baden-württembergische Landesinnenminister Heribert Rech hatte dies der internationalen Presse am Donnerstag mitgeteilt und mit einem Bildschirmfoto – einem so genannten screenshot – untermauert. Es seien Spuren dieses Eintrags auf dem beschlagnahmten PC des 17-Jährigen entdeckt worden.

Keine Hinweise auf PC

In der Nacht zum Freitag ruderten die Ermittler dann zurück. Auf dem beschlagnahmten PC von Tim K. hätten sich keine Hinweise auf den betreffenden Chatbeitrag gefunden, erklärte der Waiblinger Polizei-Mediensprecher Klaus Hinderer jetzt. Es sei aber nicht auszuschliessen, dass der Täter die Ankündigung auf einem anderen Rechner geschrieben habe.

Die Betreiber des Internetportals krautchan.net, das sofort nach der Nennung durch Innenminister Rech völlig überlastet war, gehen davon aus, dass die Ermittler einer Fotomontage auf den Leim gegangen sind. Danach ist in den Text, den der Minister vor der Presse verlas, im nachhinein eine Kopfzeile mit Datumsangabe und Uhrzeit sechs Stunden vor der Tat montiert worden.

Hilfe vom Betreiber gefordert

Innenminister Rech sprach zwischenzeitlich von einer Fälschung. Doch die Waiblinger Polizei will nun offenbar ganz sicher gehen. Man habe sich mit einem Hilfeersuchen an den Betreiber des Chat-Portals in den USA gewandt. Nur so könne die Echtheit des am Donnerstag vorgewiesenen Screenshots überprüft werden. Zwischenergebnisse werde man nicht veröffentlichen. Die Medien sollen erst informiert werden, wenn die Ermittlungsresultate hundertprozentig abgesichert seien.

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