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Angriff auf das Tor zur Türkei

Der Anschlag auf den Hauptflughafen von Istanbul ist eine neue, bisher so nicht dagewesene Dimension des Terrors. Die traurige Bilanz: 41 tote Passagiere, drei tote Attentäter und 239 Verletzte, von denen noch etwa 130 im Spital sind.
Jürgen Gottschlich
Türkische Kriminaltechniker arbeiten nach dem Terroranschlag in der Eingangshalle des Atatürk-Flughafens in Istanbul. (Bild: ky/Sedat Suna)

Türkische Kriminaltechniker arbeiten nach dem Terroranschlag in der Eingangshalle des Atatürk-Flughafens in Istanbul. (Bild: ky/Sedat Suna)

ISTANBUL. Wer geglaubt hat, es könne nicht mehr schlimmer werden, wird in der Türkei immer aufs Neue eines Schlechteren belehrt. Der Terror hat das Drehkreuz des Landes getroffen, jeder könnte davon betroffen sein und entsprechend fühlt sich auch jeder betroffen.

Das Fernsehen zeigte die ganze Nacht verheerende Bilder von Toten und Verletzten die im Eingangsbereich des Flughafens Atatürk durch die massiven Detonationen niedergestreckt worden waren oder völlig verwirrt durch die Anlagen stolperten Obwohl es bislang keinerlei Bekenntnisse zu dem Attentat gibt, geht die Regierung aufgrund des Ablaufes des Anschlags davon aus, dass es der sogenannte Islamische Staat (IS) verübt hat.

«Es gibt keine Sicherheitslücke»

Präsident Erdogan machte in der vergangenen Nacht erst einmal die gesamte Weltgemeinschaft verantwortlich, die angeblich nicht genug gegen die terroristische Bedrohung tue. Sein neuer Premier Binali Yildirim musste unterdessen das neuerliche Versagen der Sicherheitskräfte rechtfertigen. Sein hauptsächliches Bemühen war es, darzustellen, dass es kein Sicherheitsproblem am türkischen Hauptflughafen Atatürk gebe.

Nach offizieller Darstellung sind drei Terroristen schwer bewaffnet mit dem Taxi zum Flughafen gefahren. Dort hätten sie sich aufgeteilt. Einer hätte einen Sprengstoffgürtel im Parkdeck gezündet, die beiden anderen hätten sich jeweils am Ein- und Ausgang zum internationalen Terminal in die Luft gesprengt. Vorher hätte zumindest einer noch mit einer Kalaschnikow-Maschinenpistole um sich geschossen und so schon vor der Bombenexplosion einige Menschen getötet.

Es sei aber keinem der Attentäter gelungen, in den eigentlichen Flughafenbereich einzudringen. «Deshalb gibt es auch keine Sicherheitslücke». Angesichts von 41 Toten und 160 teils schwer verletzten Menschen wird das von vielen Türken als Hohn empfunden, zumal es mittlerweile etliche Augenzeugen gibt, die erzählen, dass es anders als offiziell behauptet mindestens ein Terrorist durch die Sperre geschafft hat und in der Abflughalle zunächst auf Passagiere das Feuer eröffnet hatte und sich dann in die Luft sprengte. Trotzdem wurde der Flugverkehr heute morgen um acht Uhr bereits wieder eröffnet. Krampfhaft soll Normalität vorgegaukelt werden, die natürlich nicht besteht.

Wo können wir noch hin?

Nach bereits drei grossen und drei kleineren Anschlägen allein in Istanbul in diesem Jahr geht nun endgültig die Angst um. Wo können wir überhaupt noch hingehen, fragen sich die 15 Millionen Einwohner der grössten Metropole des Landes, wer sorgt noch für meine Sicherheit?

Nachrichtensperren und die Angst der Journalisten, Fragen zu stellen, verhindern noch, dass die Sicherheitsdebatte in den grossen Fernsehanstalten laut wird. Denn es ist ja nicht nur die Angst, die sich jetzt wie ein Albtraum über das Land legt, der Terror bedroht das gesamte soziale Leben.

Viele Reisen am Ramadan-Ende

Am Wochenende beginnen die Bayram-Ferien zum Ende des Fastenmonats Ramadan. Fast das ganze Land wird sich auf den Weg machen, entweder in kurze Ferien oder zum Besuch von Familie und Verwandten. Alle Flüge, Busse und Züge sind ausgebucht, es ist die grösste jährliche Reisewelle. Werde ich lebend an meinem Ziel ankommen, ist die Frage, die nun alle bewegt.

Kurden oder Jihadisten?

Der Terror geht in der Türkei von zwei diametral entgegengesetzten Lagern aus. Da ist zum einen die PKK und deren Splittergruppe «Freiheitsfalken» (TAK), die aus Rache für das Vorgehen von Polizei und Armee in den kurdischen Gebieten im Osten des Landes Terrorangriffe im Westen des Landes unternehmen. Davon betroffen sind aber hauptsächlich Militär- und Polizeieinrichtungen, auch wenn die TAK Opfer unter Zivilisten bereitwillig in Kauf nimmt. Trotzdem will Erdogan am militärischen Kurs gegen die PKK festhalten.

Die anderen Angreifer sind die IS-Jihadisten. Diese verbreiten Terror, indem sie möglichst viele Menschen töten, allerdings in Istanbul zielgerichtet gegen Touristen oder wie jetzt am Flughafen gegen zentrale Knotenpunkte des Tourismus.

Terror und Erdogans Politik

Dadurch soll nicht nur, wie Erdogan jetzt behauptet, das Land insgesamt destabilisiert, sondern einer der wichtigsten Wirtschaftszweige gezielt getroffen werden.

Doch während Erdogan die Weltgemeinschaft beschuldigt, zu wenig gegen den Terror zu tun, ist immer noch völlig ungeklärt, in welchem Ausmass die türkische Regierung jahrelang mit dazu beigetragen hat, den IS stark zu machen und welche Beziehungen der türkische Geheimdienst nach wie vor zu der Terrororganisation hat.

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